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Zukunftsangst im Studium - Was wäre wenn...?

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Was wäre, wenn die Corona-Pandemie sich auch langfristig negativ auf mein Leben auswirkt? Was wäre, wenn ich mein Studium nicht schaffe oder später keinen Job bekomme? Was wäre, wenn ich scheitere? Viele Studierende machen sich Sorgen über ihr späteres Berufsleben und haben Angst vor der Zukunft. Die Pandemie hat viele Pläne zerstört und der Studienalltag ist zunehmend von fehlender Kontrolle und Ungewissheit geprägt.


Leistungsdruck und Stress im Studium

„Ich habe das Gefühl, nicht die Kontrolle darüber zu haben, was in nächster Zeit passieren wird. Ich studiere Sozialwissenschaften und es fühlt sich so an, als müsste ich mich jetzt möglichst viel mit Menschen connecten und Praktika machen”, berichtet Eva, Studentin an der Universität zu Köln. Vor allem in Studiengängen, die nicht auf ein klares Berufsbild vorbereiten, sind der berufliche Werdegang und die eigene Zukunft oftmals ungewiss und schwer planbar. Die Studierenden sehen sich mit Prüfungen, den eigenen Erwartungen und dem gesellschaftlichen Druck konfrontiert. Gleichzeitig haben viele mit der Sorge zu kämpfen, wie ihre Entscheidungen ihr späteres Leben beeinflussen. Zukunftsangst äußert sich aber nicht nur in negativen Gedanken. „Es fühlt sich bei mir direkt sehr körperlich an: mit Bauchschmerzen, Beklemmungen und dass ich einfach nicht gut schlafen kann, weil ich so viele Gedanken habe. In manchen Situationen bin ich auch nicht so präsent, weil ich darüber nachdenke, was ich noch alles machen muss. Das sorgt also für sehr viel Stress und Druck“, meint Eva.


Corona-Pandemie verstärkt Zukunftsangst junger Menschen

In der Corona-Pandemie sind junge Menschen von psychischen Problemen, Vereinsamung und Zukunftsängsten verstärkt betroffen. Die Studie “Das Leben von jungen Menschen während der Corona-Pandemie” wurde von den Universitäten Hildesheim und Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung durchgeführt. Dabei wurden im März 2020 ca. 5200 und im November 2020 ca. 7000 junge Menschen im Alter von 15 bis 30 Jahren befragt. 68 Prozent der Befragten gaben an, Zukunftsängste zu haben. Auch Eva kann diese Erfahrungen bestätigen: „Ich habe auf jeden Fall das Gefühl, dass sich meine Zukunftsangst durch die Pandemie verstärkt hat, weil alles, was vorher stabil war, auf einmal weggefallen ist. Es gab kaum noch Praktika und ich hätte eigentlich ein Auslandssemester gemacht. Außerdem hatte ich zu Beginn der Pandemie familiäre Probleme und hatte Schwierigkeiten damit, zu Hause zu lernen, sodass ich mich nicht so gut auf mein Studium einlassen konnte.”

Weiterhin sind mehr als ein Drittel der jungen Menschen von finanziellen Sorgen betroffen. Vor der Pandemie waren es noch ein Viertel. Junge Menschen mit familiären oder eigenen finanziellen Sorgen sind stärker von psychischen Belastungen und Zukunftsängsten betroffen. Dies bestätigt zudem die Annahme, dass die Pandemie die soziale Ungleichheit auch für junge Menschen verschärft. Darüber hinaus gaben 65 Prozent der Befragten an, dass sie das Gefühl haben, ihre Sorgen würden von der Politik nicht oder nicht ausreichend gehört werden.


Mit der Angst umgehen

„Wenn ich ehrlich bin, gehe ich oft nicht gut mit meiner Zukunftsangst um. Ich packe meinen Tag echt voll und versuche viel zu schaffen, um das Gefühl zu bekommen, wieder ein bisschen Kontrolle über mein Leben und meine Zukunft zu haben. Andererseits versuche ich, Dinge zu machen, die mir Spaß machen und nichts mit Arbeit oder Studium zu tun haben. Beispielsweise Sport treiben oder mich mit Freund*innen treffen. Das gibt mir auf jeden Fall Stabilität in jeglicher Hinsicht. Wenn es mir wirklich schlecht geht, dann mache ich auch Yoga und meditiere”, erzählt Eva. Darüber hinaus kann es helfen, wenn man bewusst versucht, sich vom ständigen Grübeln abzuhalten und Kontrolle über die eigenen Gedanken zu übernehmen. Indem man vergangene Erfolge wertschätzt, kann man mehr Selbstbewusstsein schöpfen, um der Ungewissheit entgegenzuwirken. Die wenigsten treffen mit 18 Jahren eine endgültige Entscheidung, was sie für den Rest ihres Lebens tun werden. Das Ideal vom perfekten, geradlinigen Lebenslauf ist heutzutage überholt und macht anderen, vielfältigen Lebensentwürfen Platz. Allerdings führt das auch zu mehr Entscheidungen und der Angst, dass die Zukunft nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen könnte.


Quellen:

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/Familie_und_Bildung/Studie_WB_Das_Leben_von_jungen_Menschen_in_der_Corona-Pandemie_2021.pdf

Bild: The Digital Artist / Pixabay

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