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Schrittweise Öffnung der Kulturszene – geht da noch mehr?

Verfasst von Lina Turns am

Wir alle hatten Hoffnung auf ein vielfältiges Kulturprogramm in einem weiteren Pandemiesommer. Über ein Jahr lang konnten wir bereits erproben, wie mit entsprechenden Infektionszahlen umgegangen werden kann und auch im vergangenen Sommer fanden bereits große Veranstaltungen mit entsprechenden Hygienekonzepten statt. Dieses Jahr also eigentlich kein Problem, oder? In Köln ist die Kulturszene noch längst nicht dort, wo sie gerade gerne wäre. Ist es die Angst vor dem ungewissen Infektionsgeschehen nach Veranstaltungen oder schlicht und einfach Ärger mit der Bürokratie? Wo bleibt unser Kultursommer?

Was ist in der Kulturszene schon möglich und wie sind die Aussichten?

Seitdem die Sieben-Tage-Inzidenz in Köln stabil unter 35 liegt, sind Veranstaltungen im Innenraum von Einrichtungen wie Theatern oder Kinos mit bis zu 1.000 getesteten und beliebig vielen geimpften und genesenen Personen möglich. Clubs dürfen in ihren Außenbereichen je nach Kapazitäten sogar wieder Tanzveranstaltungen stattfinden lassen. Hoffnung auf mehr macht die vom Land NRW kürzlich neu eingeführte „Inzidenzstufe 0“. Sobald die Sieben-Tage-Inzidenz fünf Tage lang bei höchstens 10 liegt, dürfen wir in Innenbereichen von Clubs unter Nachweis eines Negativtests für Ungeimpfte sowie Hinterlegung der Kontaktdaten feiern – und ganz ohne Maske. Ab Ende August sollen dann auch wieder größere Musikveranstaltungen wie Festivals mit genehmigtem Konzept für bis zu 1.000 getestete und beliebig viele geimpfte und genesene Personen möglich sein.

Vor welchen Problemen steht die Kulturszene?

Problematisch wird es, wenn eine Veranstaltungsreihe wie die Summer Stage im Kölner Jugendpark, die bereits im letzten Jahr mit musterhaften Infektionsschutzkonzept und ohne Beschwerden von statten ging, in diesem Jahr aufgrund zu später Genehmigung seitens der Stadt ausfallen muss. Wenn die Genehmigungsverfahren so kompliziert sind, dass die sechsmonatige Arbeit zahlreicher Menschen an einem wertvollen Kulturprogramm und pandemiegerechten Konzept am Ende umsonst war.

Laut Veranstalter:innen ist die Stadt Köln hilfsbereit, was Förderanträge und ein offenes Ohr für Konzepte und Ideen angeht. Bei der Umsetzung und Genehmigung hapert es allerdings daran, pandemiebedingt umzudenken und Verfahren beispielsweise einfacher und schneller zu gestalten. Grund dafür sind laut Markus Greitemann, Baudezernent der Stadt Köln, gewisse Rechtsgrundlagen, die nicht einfach umgangen werden können.

Mankel Brinkmann, 1. Vorsitzender der Klubkomm (Verband der Kölner Klubs und Veranstalter:innen), sieht ein besonderes Problem in fehlenden permanenten Open-Air-Flächen im Stadtgebiet. Permanente sowie provisorische Veranstaltungsorte hätten gemeinsam mit der Stadt frühzeitig erschlossen werden können. Denn um eine Fläche in Köln auch nur einmalig für eine Veranstaltung zu nutzen, braucht man eine dauerhafte Baugenehmigung – und die haben entsprechend lange Genehmigungsverfahren. Solche gesetzlichen Rahmenbedingungen sehen die Veranstalter:innen als unnötige Hürde. Die Klubkomm fordert „kurzfristige und lösungsorientierte Genehmigungsverfahren für mehr Open-Air Flächen und Veranstaltungsorte“, nicht nur angesichts der sich ständig ändernden Pandemielage, sondern auch für die Zukunft.

Wie aber nehmen Besucher:innen die Situation der Kulturszene wahr? „Dass in der Kulturszene Kölns gerade nicht so viel offiziell stattfindet, liegt denke ich daran, dass die Stadt nichts überstürzen will und man auch die Folgen von Partys und Festivals noch nicht abschätzen kann. Ich finde die bisherigen Öffnungsschritte in der Branche aber trotzdem teilweise zu langsam“, erklärt Jonas, Student der Universität zu Köln. Auch er vermisst Konzerte und große Veranstaltungen, hat aber die Vermutung, dass Hygienekonzepte von vielen Besucher:innen auch schlicht nicht ernst genug genommen werden könnten. Was sich hinter den Kulissen zwischen Veranstalter:innen und Stadt bezüglich tatsächlicher Umsetzungsmöglichkeiten und komplizierter Bürokratie abspielt, scheint für Kulturbesucher:innen also nicht eindeutig.

Mit Kulturangebot gegen unkontrollierte Ansammlungen vorgehen

Nach den Eskalationen illegaler Partys in den Grünflächen Kölns machte die Klubkomm am 26. Juni mit einer Tanzdemo nochmals auf die für sie fehlende Öffnungsperspektive aufmerksam. Die unkontrollierten Ansammlungen von Feierfreudigen waren für sie keine Überraschung und seien der späten Reaktion der Stadt Köln auf entsprechende Maßnahmen zur Öffnung zu schulden. Auch Jonas meint: „Ich fände es besser, wenn es kontrollierte Veranstaltungen gäbe. Der Bedarf zu feiern und zu tanzen ist einfach da. Natürlich wäre es schöner so feiern zu können wie früher, aber auf kurze Zeit ist das kaum umsetzbar. Lieber eine kleine Tanzveranstaltung oder ein abgespecktes Konzertmodell mit festen Sitzplätzen als gar nichts.“

Während Städte wie Berlin oder Bremen durch kurzfristige Umplanung eine Vielzahl solcher kontrollierten Veranstaltungen auf neuen Open-Air-Flächen vorweisen können, hängt Köln trotz stabiler Inzidenzlage weiter mit der Umsetzung hinterher.

Nun haben wir zwar noch eineinhalb Monate Sommer vor uns, doch die Hoffnung auf ein Kulturangebot ist halb erloschen. Um aber zum Schluss noch einen Funken Positivität zu versprühen: immerhin haben die Konflikte zwischen der Stadt Köln und den Veranstalter:innen auf solche Problematiken aufmerksam gemacht. Beide Seiten wünschen sich, näher zusammenzuarbeiten, um Kultur wieder möglich zu machen.


Quellen: WDR, SummerStage, Kölner Stadt-Anzeiger (Talk mit K), Klubkomm

Bild: Hanny Naibaho (Unsplash)

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