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Storyteller I "This is my culture, this is my home!"

Verfasst von Maren Grimm am

Für mich als Dorfkind Ostfrieslands waren Konzertbesuche ein wahrer Luxus. Für alle, die in Erdkunde damals in der Schule genauso schlecht waren wie ich: Ostfriesland liegt am Arsch der Welt. Zumindest gefühlt. Die beiden nächsten Städte, wo nicht alle 500 Meter die Kühe auf der Weide stehen, sind Bremen und Hamburg. Aber da fährt man auch erstmal 1 1/2 bis 3 Stunden hin. Um die Ecke ist das also nicht. Bitte versteht mich nicht falsch, ich liebe Ostfriesland, schließlich habe ich da meine Wurzeln und für kleine Kinder und Senioren gibt es kaum einen besseren Ort zum Leben. Aber wenn man, wie jeder Jugendlicher, was erleben will, dann ist man dort leider an der falschen Adresse. Als ich vor vier Jahren nach Köln gezogen bin, war es so als ob sich mir ganz neue Welten eröffneten. Auf einmal konnte ich Konzerte meiner Lieblingsbands und Künstler in 15 Minuten erreichen und das oft sogar zu Fuß. ZU FUß!!! Unfassbar. 

(CC BY 2.0) marfis75 / flickr.com



"Punk is for the kids who never fit in with the rest."



Meine Liebe zur Musik reicht mittlerweile schon ein paar Jahre zurück. Zu meinem 9. Geburtstag habe ich meine erste CD bekommen. Green Day. Und es war Liebe auf den ersten Blick bzw. aufs erste Hören. Zu verdanken habe ich das meinem großen Bruder, aus dessen Zimmer des Öfteren mal Musik diverser Punkrock-Bands schallte. An der habe ich dann sehr schnell Gefallen gefunden. Meinem Bruder hat das eher weniger gefallen. Ist ja schließlich auch echt uncool, wenn die kleine Schwester dieselbe Musik hört. So hörte er dann schnell andere Musik, während ich bis heute dabei geblieben bin und was sich ziemlich wahrscheinlich bis zum Rest meines Lebens nicht mehr ändern wird.
Während andere Menschen ins Stadion gehen, um ihren Lieblingsverein anzufeuern oder wieder andere um Mitternacht vorm Buchladen stehen, um als Erste den neuesten Band ihres Lieblingsromans zu ergattern, reise ich Kilometerweit zu den Clubs und Konzertsälen des Landes, um die Menschen zu sehen, die mein Leben schon seit etlichen Jahren begleiten. Manchmal ist es für Außenstehende schwer nachzuvollziehen, warum man schon wieder Geld für Konzerttickets ausgibt, obwohl man den Künstler doch vor ein paar Wochen erst noch gesehen hat. Aber wenn man eine Leidenschaft für Musik hat, sind die Gründe sonnenklar. Für mich und für viele andere sind Punkrock-Konzerte wie nach Hause kommen. Schließlich begleitet einen die Musik, die da auf den Bühnen gespielt wird, schon einen Großteil des Lebens und ist nur allzu vertraut. 
Selbst ich als ziemlich introvertierter Mensch vergesse jegliche Ängste und Sorgen, sobald die ersten Akkorde aus den Lautsprechern dröhnen. Da spielt es überhaupt gar keine Rolle, wie weit ich von meinem Zuhause entfernt bin und dass ich in einem Raum voller Menschen stehe, von denen ich meistens niemanden kenne. Wenn dann kurz vor Beginn das Licht ausgeht und alle um einen herum, inklusive man selbst, mit einem dicken Grinsen im Gesicht und voller Vorfreude auf den Abend vor der Bühne stehen, ist die Welt für ein paar Stunden ganz schön okay.


"We'll sing like the barricades are down and we'll dance like no one's around"


Aber was unterscheidet Punkrock- (und ähnliche Genre) Konzerte denn nun eigentlich von anderen? Die Antwort ist sehr simpel: Das Publikum. Ich kenne keinen anderen Ort, an dem so viele Menschen zusammen kommen, um friedlich zu feiern und nebenbei noch so gut gegenseitig auf sich aufpassen. Dabei gehts bei solchen Shows jetzt nicht unbedingt sanft zu. Moshpits und Walls of Death sind da an der Tagesordnung. Aber sobald jemand hinfällt oder beispielsweise die Brille verliert, bleiben alle sofort stehen und versuchen zu helfen. Ganz so ruppig wie auf z.B. Metalcore- oder Harcore-Konzerten geht es dann aber auch nicht zu, so habe ich auch schon die eine oder andere Wall of Hugs erlebt. Sowieso ist es keine Seltenheit, wenn man beim letzen Song mit der einen oder anderen kleinen Freudenträne im Auge wildfremden Menschen in den Armen liegt und die letzten Zeilen mitsingt. Nur kommen einem die Menschen um einen herum gar nicht wildfremd vor, schließlich hat man den ganzen Abend lang zusammen gesungen und getanzt zur selben Lieblingsmusik - sowas verbindet.
Natürlich ist auch bei solchen Veranstaltungen nicht immer alles nur Regenbögen und Einhörner. Grade, wenn viele Menschen an einem Ort zusammenkommen, besteht immer die Möglichkeit, dass da auch der eine oder andere Depp dabei ist. Sobald Alkohol im Spiel ist, (und davon gibt es in Clubs ja meistens reichlich) verlieren manche leider ein wenig von ihrem gesunden Meschenverstand. Glücklicherweise sind die anständigen Leute immer in der Mehrheit, sodass in den allerseltensten Fällen Situationen eskalieren. 
Letztendlich bin ich einfach unfassbar froh, dass es einen Ort gibt, wo Menschen jeden Alters (von 5 bis 75 hab ich da alles schon gesehen, ehrlich) und jeder Gruppe willkommen sind um gemeinsam friedlich der Musik zu lauschen, die sie lieben. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Verstandenwerdens schätze ich so sehr an der Community und möchte ich niemals missen.



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