Leitung: Jenny Lange

filmspur@koelncampus.com

Wie hast du mich grad genannt?!

Verfasst von am

                                                                  Poster: Bildstörung

„Sohn der weißen Stute!“ - was nach einer etwas besonderen Beleidigung klingt, ist in Wirklichkeit der Filmtitel eines sehr besonderen Animationsfilms. Es ist schwer zu beschreiben, was man während des Films erlebt - 85 Minuten lang in ein Kaleidoskop starren, ist vielleicht ein erster Ansatz. Aber es ist noch viel besser als das! Allein der Anfang lässt die Augen verschwinden in einem Meer von Farben und Formen, die in neue Formen und Farben übergehen. An manchen Stellen handelt sich hier mehr um ein einziges Erlebnis der Sinne, als um einen Film - aber das wird dem Thema des Films nur gerecht: es handelt sich um eine alte Volkssage, die von Mythen und Mystik umrankt ist. Auch muss man sagen, dass vielleicht auch die Zeit, aus der der Film stammt, eine Rolle spielt: denn uraufgeführt wurde der Film 1981 (Aha, die 80er - das könnte einiges erklären…). Es war damals der zweite Langfilm des ungarischen Animationskünstlers Marcell Jankovics und dieser zeigt sich nun in restaurierter 4K-Pracht von einer neuen Seite. Die sich sehen lassen kann!

Schon kurz nach seinem Erscheinen wurde „Sohn der weißen Stute“ (Originaltitel: Fehérlófia) von Filmkritikern in L.A. als einer der „50 besten Animationsfilme aller Zeiten“ betitelt. Nicht ohne Grund wird Marcell Jankovics daher manchmal auch „ungarischer Walt Disney“ bezeichnet. Aber der Unterschied zwischen der harmonischen Disney-Märchenwelt und Jankovics tranceartiger Welt könnte nicht größer sein. Während Cinderella, Bambi und Co. durch liebliche Wälder ihrem Happy End entgegenhüpfen, geht es bei Jankovic etwas düsterer zu:

"Es war einmal vor langer Zeit, da stand in einem Land so weit von hier, fast schon am Höllentor, eine alte Zerreiche. Sie hatte 77 Wurzeln und 77 Äste. Auf den 77 Wurzeln standen 77 Drachen. Auf den 77 Ästen saßen 77 Raben… Hör lieber zu, mein Sohn“, sprach die Weiße Stute, „auf dass die Drachen dir nicht die Seele stehlen und dir die Raben nicht die Augen aushacken! Es waren einmal ein König und eine Königin, die hatten drei Söhne, alle groß und stark. Sie lebten glücklich und zufrieden, bis sie die Warnungen des Königs missachteten und die Kette des Drachen zerbrachen. Und über uns brach die Hölle herein…“ (Quelle: Bildstörung).


                                        © 1981 Pannónia Filmstúdió – Alle Rechte vorbehalten

Es ist also die Geschichte von drei mächtigen Brüdern: Baumausreißer (der der Sohn der weißen Stute ist), Steinbröckler und Eisenkneter, die sich aufmachen, um im Höllenschlund drei Prinzessinnen aus den Klauen der drei Drachen zu befreien - und somit auch die ganze Welt von Finsternis zu erlösen. Eine ziemlich schräge Geschichte, die es aber lohnt sich anzuschauen - der Film strotzt vor fantasie- und kunstvoller Umsetzung, Farben und zieht einen so in seinen psychedelischen Bann. Für mich auf jeden Fall einer der außergewöhnlichsten Animationsfilme aller Zeiten.


"Sohn der weißen Stute" gibt es ab Herbst auf DVD & BluRay - wir halten euch auf dem Laufenden!

Zurück zur Übersicht

Sag's weiter: