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Deine Mutter ist ein Sweetheart

Verfasst von Hannah Weber am

Die alleinerziehende Mutter Mel (Hannah Herzsprung) würde für ihre kleine Tochter alles tun. Durch ihre prekäre finanzielle Lage sieht sie allerdings nur eine Option:
Ein Diamantenraub. 

Warner Bros. / Sweethearts


Doch wer hätte es gedacht? Ihr Plan ist nicht so recht durchdacht und so nimmt sie kurzerhand Franny (Karoline Herfurth) als Geisel. Franny entpuppt sich schnell als äußerst schlechte Geisel: sie ist alles andere als gefügig und leidet an regelmäßigen Angstzuständen und Panikattacken, denen sie nur durch ein nerviges Smartphone-Game entkommen kann. Mel entschließt sich ihr Opfer gehen lassen, doch Franny will nicht, weiß nicht wohin mit sich. So entwickelt sich im Laufe des Films zwischen den beiden langsam eine Freundschaft. Aber damit nicht genug: Als Polizist Harry (Frederick Lau) den beiden auf die Schliche kommt, nimmt Mel auch ihn kurzerhand als Geisel und zwischen ihm und Franny beginnt es zu knistern…

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Regie oder Hauptrolle? Pah, beides!

Karoline Herfurth bringt mit „Sweethearts“ ihren zweiten Spielfilm als Regisseurin auf die Leinwand und spielt gleichzeitig eine der Hauptrollen. Dabei drängt sich immer wieder die Frage auf - Warum muss man beides machen? Deutsche Kollegen wie Matthias Schweighöfer, Til Schweiger oder Florian David Fitz sind ebenfalls Fans von diesem Konzept. Und sowohl häufig in deren Filmen, als auch bei Frau Herfurth hätte Regie oder Hauptrolle gereicht. Denn so scheint es, bleibt eines ansonsten immer auf der Strecke - die Story. Wo die sympathische Rothaarige in ihrer Rolle als Franny überzeugt, fehlt es aber an Story und Charakterentwicklung. Anfangs noch hysterisch von Panikattacken geplagt, verschwinden die ganz plötzlich, wie von Geisterhand. Ist sie therapiert? Dank der Verwickelung in kriminelle Aktivitäten? Man weiß es nicht.

Von allem ein bisschen

Insbesondere das Verhältnis, das sich zwischen Franny und Harry entwickelt, scheint dafür zu sorgen, dass der eigentliche Erzählstrang völlig untergeht. Mel wird zur Randfigur und irgendwie ist es einfach ne Spur zu viel, wenn nicht nur Kidnapperin und Geisel zu best Buddies werden, sondern auch noch Geisel und Polizist plötzlich absolut in Love sind. Und dann macht die weibliche „Bad Cop“ Version auch noch plötzlich eine unerklärliche 180° Wandlung durch und man denkt sich nur:

„Come on, arbeitet doch wenigstens eine Figur anständig aus.“

Die beiden weiblichen, etwas schrägen Hauptcharaktere sorgen zu Beginn des Films noch für Hoffnung auf eine spannende Entwicklung der Story. Die taffe Mel steht der verspielten, eigenwilligen, hysterischen und nervigen Franny gegenüber, die mit einer großen Portion Slapstick und einer Menge "Deine Mutter"-Witzen  leider an Glaubhaftigkeit verliert.

So wird im Laufe der Story leider schnell klar: Bei Sweethearts handelt es sich um eine Mainstream-Romedy ohne Tiefgang und sweet ist hier rein gar nichts. Die Entwicklung der Charaktere bleibt oberflächlich und auch die Story scheint wenig durchdacht. 

Für Lacher hier und da, sorgt hauptsächlich das Gefühl, sich dauerhaft Fremdschämen zu müssen. 


Aber wer auf sowas steht (jeder hat ja so seinen Fetisch), „Sweethearts“ läuft aktuell im Cinedom, Rex am Ring, Filmpalast und Residenz.


P.S. Andere Kritiken zum Film sind durchaus positiv… wieder ein gutes Beispiel dafür, dass auch Filme absolute Geschmackssache sind und dafür lieben wir sie ja!

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