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Kölner Kämpfer streben nach Anerkennung

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Rocky, Million Dollar Baby, Bleed for this – alles Boxfilme und Hollywoodklassiker, die das Leben erfolgreicher Boxer begleiten und in ein schönes High-Class-Drama mit bekannten Größen gebettet sind. Jetzt hat sich die deutsche Regisseurin Susanne Binninger an ganz normalen Kölnern orientiert und drei Kämpfer in der Dokumentation „Fighter“ begleitet.

,,Leon", ,,Big Daddy" und ,,Warrior"
Corso Film
,,Leon", ,,Big Daddy" und ,,Warrior"

In ,,Fighter" wird eine Kombination vieler Kampfsportarten präsentiert. Nicht nur Boxen, sondern auch Kickboxen, Karate und Judo. Das ganze vereint sich dann in MMA - Mixed Martial Arts. Klingt am Anfang wie MDMA, schenkt allerdings bei weitem nicht das wohlige Gefühl von Geborgenheit und Frieden mit der ganzen Welt. MMA legt sich mit dem ganzen Körper ins Zeug. Mit Füßen im Gesicht, Knien im Bauch und dem Kopf zwischen den Beinen.

Doch wozu das Ganze? Wozu drei Verrückten beim Kloppen zuschauen? Hinter dieser Sportart steckt mehr als nur Schlagen, Treten und an den Haaren ziehen. Der Sport verbindet und bringt die drei Protagonisten ,,Big Daddy", ,,Leon" und ,,The Warrior" näher zusammen. Sie kochen gemeinsam, halten zusammen strenge Diät und bereiten sich im Team auf den Wettkampf in Eindhoven vor. Dabei taucht man in das Leben hinter den Kulissen der sich so unnahbar gebenden Ring-Schauspieler ein. Man lernt die sensible Seite einfacher Leute kennen und wird dank der lebendigen Kameraführung Teil des respektvollen Umgangs miteinander.

Doch das ist so ziemlich genau das, was die erste Stunde gezeigt wird. Vorbereitung. Gezuckert mit ein wenig sozialkritischem Inhalt, der dem Zuschauer zeigen soll, dass das Migrantenmilieu in MMA sich nicht nur vor Publikum prügeln will, sondern nach Anerkennung in der Gesellschaft sucht. Sie sind in Deutschland geboren, aufgewachsen, haben einen Universitätsabschluss und gelten immer noch als Ausländer.

Ob sie mit MMA einen Kreis Gleichgesinnter wählen oder tatsächlich eine Rebellion starten wollen, bleibt unklar. Klar ist jedoch, dass neben der intensiven Darstellung der einzelnen Protagonisten im Kampf sowie im Privaten viel Luft für Oberflächlichkeit bleibt. Somit ist die Dokumentation ,,Fighter" zu Beginn ein spannender Einblick in eine unbekannte Welt, ab der 30. Minute jedoch ein Kampf mit der Geduld.


Dokumentation
Andreas Kraniotakes, Lom-Ali Eskijew, Khalid Taha
Regisseurin & Drehbuch: Susanne Binninger
Montage: Chris Wright
Musik: Jörg Follert
Poduzenten: Erik Winker, Martin Roelly

Kinostart: 04. Mai 2017
100 Minuten

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