Leitung: Esther Ritscher

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Hier sind Erfahrungsberichte unserer Ausbildungsabsolventen. 

Erfahrungsbericht I Plan A: Journalismus

Verfasst von Weronika Peneshko am

Mein Master befindet sich in den letzten Zügen. Ich bin 23. Ich habe keinen Peil, wohin mich ein Abschluss in Amerikanistik hinbringen wird. Es wird gemunkelt, dass Geisteswissenschaftler*innen häufig Taxifahrer*innen werden. In meinem Bauch spüre ich seit Monaten ein mulmiges Gefühl. In meinem Kopf lebt Panik. Ich will irgendetwas Sinnvolles im Leben machen. Irgendwann zurückblicken und nicht weinen müssen. So ungefähr ging ich in jedes Gespräch mit meinen Freunden bis August 2018.

Dann der Durchbruch: Ich sitze zuhause in meinem überteuerten Appartement in Ehrenfeld. Meine Kuscheltiere starren mich an. Ich stelle mir dieselbe Frage, die man häufig von pöbelnden Teenagern auf dem Schulhof hört: Ey, was kannst du eigentlich?!

Ein paar aufwendige Collagen und Mindmaps später hab ich‘s herausgefunden. Schreiben. Ich kann gut mit Stress umgehen. Und das Wichtigste: Ich interessiere mich für so viele verschiedene Themen, ich kann nicht für immer dasselbe machen. Yes, oh yes – jetzt weiß ich, wohin es mich treibt.

Sweet Jesus, ich will dem Journalismus frönen.

Ab August 2018 ändern sich die Gespräche mit meinen Freunden. Ich erzähle selbstbewusst von meinen Plänen. Die Panik ist zwar immer noch da, aber wenigstens hat der Bauch sich beruhigt.

Plan A: Journalistin. Plan B: Floristin. Ich habe alles im Griff.
Aber... Wie fange ich am besten an? Wie bekomme ich einen Fuß in die Tür? Das mulmige Gefühl steigt wieder auf.

Meine Freundin Anna hat mir erzählt, dass man bei Kölncampus eine Ausbildung machen kann. Da lernt man zum Beispiel die Technik zum Schneiden von Wortbeiträgen. Außerdem lernt man, fürs Radio zu schreiben. Man spricht auch live, direkt in der ersten Sendung. Mittwochabends zerreißt man sich gegenseitig in der Wochenkonferenz. Denn: nur die besten Beiträge schaffen es in die Sendung.

Mit wackeligen Beinen gehe ich zum Bewerbungsgespräch. Zwanzig Studierende sitzen neben dem Raum und warten gespannt auf ihre zwei Minuten. An der Tür hängt ein Zettel:

Wie heißt du und was ist dein Lieblingstier? Weronika, schreibe ich. Lieblingstier? Deine Mudda.
Entweder dieser Spruch beendet meine Karriere als Journalistin, bevor sie überhaupt angefangen hat. Oder ich bleibe dem Komitee dadurch im Kopf. Was soll ich sagen? Glück gehabt.

In den darauffolgenden Monaten sitze ich freitags im Frührausch, der Morgensendung. Mittwochs diskutiere ich die Themen der anderen Redakteur*innen in der Wochenkonferenz. Zwischendurch studiere ich. Immer wenn ich nicht bei Kölncampus bin, denke ich an Kölncampus. Ich beschäftige mich in Glossen über Unisextoilettenbekanntschaften, lese die Nachrichten live im Radio, Gundula-Gause-Style. Ich spreche über Köln und Kolonialismus, und darüber, ob Beamtenanwärter*innen eine Psychotherapie machen können.

Endlich kann ich mich mit allen Themen beschäftigen, die mich schon immer interessiert haben.
Ich hatte sogar das Glück mit der Politiksendung Blickwechsel nach Straßburg ans Europäische Parlament zu reisen. In den nächsten Monaten besuche ich viele Seminare in der Landesanstalt für Medien in Düsseldorf, denn: Journalismus will gelernt sein. Und all das fast für umsonst.

Die Panik meiner Zukunft gegenüber ist nicht weg. Das mulmige Gefühl ist immer noch da. Aber ich hab jetzt einen Plan.

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