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Das Kollegengespräch

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Eine der wohl wichtigsten Beitragsformen für Autoren im Radio ist das sogenannte Kollegengespräch. Vor allem in Hochschulradios kommt es oft zum Einsatz. Deshalb schult die Landesanstalt für Medien auch regelmäßig ihren Campus-Radio-Nachwuchs in dieser Disziplin. Und ich durfte dabei sein und mit 2 weiteren KClern den Ausführungen von Medientrainer Christoph Flach zu diesem Thema folgen.

Christoph Flach/Giselle Ucar

Über das Kollegengespräch könnte man sicherlich ein ganzes Semester an der Uni belegen und hätte es noch immer nicht in Gänze durchbesprochen. Man kann auf so viele einzelne Aspekte achten. Ich möchte im Folgenden auf die für mich wichtigsten Kriterien eines Kollegengesprächs hinweisen. Zu beachten ist aber, dass das keine universal gültigen Kriterien sind, die unbedingt auf jede Sendung zutreffen. Am ehesten passen sie in eine Magazinsendung…


„Kollegengespräch“ – der Begriff gibt schon Aufschluss

Natürlich kann man als Journalist auf unterschiedlichste Art und Weise in Aktion treten und Informationen vermitteln. Sehr beliebt ist derzeit, dass man etwas selbst ausprobiert und sich an etwas beteiligt, um dann darüber Auskunft geben zu können. Ist das der Fall und man ist als Reporter in irgendeiner Art und Weise selbst Beteiligter einer Sache und involviert in die Thematik, dann führt der Moderator eher ein Interview mit einem. Und eine Interviewsituation bedeutet auch immer, dass man eher gegeneinander arbeitet.

Ein Kollegengespräch soll aber eher ein Miteinander zwischen Mod und Reporter sein. Natürlich hat sich der KG-Geber/Kollege/wie auch immer man ihn nennt auch für das Halten eines KGs eine gewisse Expertise in ein Thema erarbeitet. Trotzdem bleibt er neutraler, objektiver Beobachter von außen und ist in keinster Weise selbst betroffen. Und so ergibt es sich dann auch, dass man in einem Kollegengespräch als Autor und Moderator miteinander arbeitet und agiert, als Journalistenkollegen halt.

Was besonders am Anfang schwer fällt, ist, dass man als Autor des KGs auch für den Moderator mitskriptet. Das Schwierige daran ist meiner Meinung nach aber nicht unbedingt, dass die Parts des Mods besonders an die Persönlichkeit des Moderators angepasst werden und authentisch klingen sollten (der Mod kann und sollte schließlich selbst alles nochmal seinem eigenen Stil anpassen), das Schwierige ist, in den Rollen zu bleiben. Der Mod steht stellvertretend für den Hörer (und ist auch der einzige, der den Hörer direkt anspricht) und hat kein besonderes Vorwissen zum besprochenen Thema. So kann der Hörer sehr gut folgen. Er kann sich mit dem Mod identifizieren. Diese Beziehungsebene zwischen Mod und Experten muss stringent durchgezogen werden und darf sich während des KGs nicht verlieren. Sonst wird es unübersichtlich.

Der Mod sollte also genau die Fragen stellen, die sich der Hörer wahrscheinlich auch zu dem Thema stellt. Und der Kollege beantwortet auch genau die ihm gestellte Frage. Nicht viel mehr, aber auch nicht weniger. Und wenn man als Kollege noch unbedingt auf einen bestimmten Aspekt angesprochen werden möchte, dann lässt man den Mod nicht „out of the blue“ danach fragen, sondern „dropped“ eine Information zu diesem Aspekt in der vorherigen Antwort, sodass der Mod das aufgreifen und tiefergehend danach fragen kann.

Außerdem unterscheidet sich das Kollegengespräch noch in einem weiteren Punkt vom Interview: Der Kollege kann (und sollte) die Infos bzw. das Thema einordnen. Er ist nämlich seiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachgegangen und hat alle nötigen Gesichtspunkte, Haltungen/Positionen und Meinungen zum Thema berücksichtigt.

 

Sektoraler Zugang

Journalismus ist das Vermitteln von Informationen. Und auch, wenn das heutzutage immer noch gilt, muss man aber feststellen, dass man so viele Möglichkeiten mehr hat, an Infos ranzukommen und auch fast jeder einen Informationsoutput hat. Ob auf Twitter, Facebook oder sonst wo im Internet. Man braucht den Journalisten oder seine Medienanstalt fast nicht mehr, um ganz schnell an Infos zu kommen oder sie selbst zu verbreiten. Umso nötiger ist es, dass man als Journalist der Aufgabe nachkommt, die Infos auf Vertrauenswürdigkeit und Richtigkeit zu überprüfen und fast noch wichtiger ist, dass man sich in der Informationsflut einen sektoralen Zugang zu einem Thema schafft. Wenn ich nur 1:30 min Zeit habe, auf ein Thema einzugehen, dann sollte ich nicht probieren, es in Gänze abzuarbeiten. Ich suche mir einen wichtigen Aspekt und versuche diesen differenziert und halbwegs vollständig aufzuarbeiten. Wenn gestern der Super Bowl lief, dann brauche ich nicht über Spielverlauf, Halbzeitshow und das Drumherum zu sprechen. Viel zu viel und evtl. auch nicht interessant für unsere Zielgruppe. Ich gucke einfach mal, dass in der Anmoderation die wichtigsten Fakten zusammengefasst werden und es in meinem KG eher darum geht, ob und wie Studierende in Köln überhaupt den Super Bowl verfolgen oder Football-Regeln kennen oder so. Ist wahrscheinlich spannender und unterhaltsamer für unsere Hörer, die den Rest eh schon in 1000 anderen Medien hören mussten ;-)


In der Kürze liegt die Würze

Der sektorale Zugang ist natürlich auch deshalb nötig, weil man im Fernsehen und im Radio oft gerade mal 2:30 min Zeit für einen Beitrag bekommt. Einerseits, weil z.B. in einem 15-minütigen Nachrichtenmagazin sehr viel untergebracht werden muss. Andererseits auch deshalb, weil der Rezipient oft schnell informiert werden will und gerade bei Medien wie Fernsehen, Radio und Internet oft keine sehr große Aufmerksamkeitsspanne mitbringt. Und wenn wir mal ehrlich sind: Die wichtigsten Fakten kann man auch in sehr kurzer Zeit vermitteln. Time is money und jeden Tag erfahren wir soooo viele neue Sachen, da brauchen wir uns bei einem einzigen Thema nicht 100 Jahre aufhalten und es im vollen Umfang und bis ins kleinste Detail erklären. Zumindest nicht im Radio. Fairerweise sollte dem Rezipienten dann auch nicht vorgegaukelt werden, dass er jetzt wirklich alle Infos zu dem Thema gehört hat… Vielleicht arbeitet man in einem modernen Medium und hat als Journalist dann die Möglichkeit, crossmediales Storytelling zu betreiben. Hat man einen 2:30 min Beitrag für’s Radio abgeliefert, könnte man das Thema dann in ausführlicher Form in einem Internetartikel auf der Website abarbeiten mit weiterführenden Quellen und allem, was dazu gehört. Darauf kann der Mod dann am Ende des Beitrags hinweisen.

"Lang kann jeder!"

Was nun aber die Hörer eines Radiosenders angeht, sie hören nebenbei und wahrscheinlich sogar eher, um Musik zu hören als die Wortbeiträge. Deshalb: Kill your darlings!


Mündlichkeit

Wer nebenbei Radio hört, ist nicht bereit, sich auf einen Wortbeitrag, der auf Justin Biebers „Despacito“ folgt, unverhältnismäßig stark zu konzentrieren. Wir bei Kölncampus würden so einen Mainstream natürlich nie spielen. Trotzdem wird auch ein alternativer Indie-Pop keinen großen Unterschied machen. No offense ;-)

Wer also nur so im Alltags-Trance-Chill-Modus Radio hört, der möchte – wenn er schon zuhört – locker und authentisch Informationen vermittelt bekommen. Auch, wenn es also ein 100% geskriptetes Kollegengespräch ist, soll es frei und möglichst mündlich klingen. Das schafft man vor allem, wenn man genau so schreibt, wie man es erzählen würde auf einer Party mit seinen besten Freunden. Schließlich hat man idealerweise zu seinem Kollegen, dem Mod, ja auch eine gewisse Bindung und ein ungezwungenes Verhältnis. Deshalb sollte man auch hier ein paar Regeln beachten:

Geht es um die Vergangenheit, dann schreibt man im Perfekt. NICHT: „Gestern sang Beyonce ja in der Kölnarena vor 30 000 Fans […]“, sondern „Gestern hat Beyonce ja vor 30 000 Fans in der Kölnarena gesungen […]“. Außerdem sollte man auf schriftsprachliche Worte wie „doch“ usw. verzichten und lieber „aber“ schreiben.

Und wer es trotzdem nicht schafft, mündlich und frei zu klingen, obwohl das Skript eigentlich mündlich geschrieben ist, man das Ablesen aber trotzdem hört, der sollte vielleicht mal andere Methoden anwenden. Eine Möglichkeit sind immer Stichwörter.

Christoph Flach hat am Wochenende eine andere Methode mit uns ausprobiert. Wir haben eine kleine Praxisübung gemacht, in der wir sogenannte „Treppen“ aufgeschrieben haben. Hauptsächlich bestanden diese Treppen aus Subjekt, Prädikat (im Infinitiv) und Objekt (Treppe kann noch erweitert werden durch andere wichtige Infos/Elemente). Also statt zu schreiben: „Die neuen Richtlinien wurden auch von Henriette Reker befürwortet“, schreibt man:

„Henriette Reker

                  befürworten

                             neue Richtlinien“

Um daraus in der KG-Situation dann einen neuen Satz zu formulieren, braucht das Hirn nicht lange. Und weil man eben nicht genau das liest, was da steht, klingt es unheimlich frei und mündlich. Wahrscheinlich sagt man dann im KG "Auch Henriette Reker befürwortet die neuen Richtlinien“, und das klingt sogar besser als die erste, voll ausgeschriebene Version!

Generell sollte man sich – sofern möglich – immer mehr vom Skript lösen. Mit einer gewissen Routine sollte das auch problemlos klappen. Denn auch im Kollegengespräch gilt: „Vorbereiten ist Arbeit, Senden ist Freizeit“. Und wenn der Hörer merkt, dass ihr zwar viel wisst, das Vermitteln der Infos aber nicht in ein festes Korsett geschnürt habt sondern spielerisch und locker vermittelt, dann hat er sehr viel mehr Spaß und Lust, zuzuhören. Zumal ihr gerade im professionellen Bereich sehr spontan und flexibel sein solltet, weil der Mod auch mal eine vollkommen andere Frage stellen kann. Und auch in dem Fall solltet ihr dann antworten können ;-)


Struktur/Thema

Das Thema eines Kollegengespräches sollte eigentlich immer zu den Interessen der Zielgruppe passen. Ich persönlich denke aber, dass man jede Zielgruppe für alles interessieren kann, wenn die Verpackung und die Präsentation stimmen. Wäre ja auch schlimm, wenn nicht. Aber was schon zu beachten wäre, ist, dass nicht jedes Thema geeignet ist für ein KG. Ich hatte anfangs ja schon erwähnt, dass man objektiv und neutral zu dem Thema stehen sollte, sonst müsste man eher interviewt werden. Ein weiterer Punkt ist, dass es manchmal sinnvoller ist, einen Beitrag mit Einspielern vorzuproduzieren. Z.B. wenn man das „vor-Ort-Gefühl“ und die Atmosphäre eines bestimmten Events gut darstellen möchte oder wenn ihr einen Protagonisten begleitet oder oder oder. Dann seid IHR sozusagen stellvertretend für den Hörer da und beobachtet eine Situation o.Ä. Dazu wird der Moderator dann nicht mehr gebraucht.

Für die Struktur eines KGs gilt: Fangt am besten mit der wichtigsten Information an. Das nennt Christoph Flach die sogenannte „Spiralstruktur“ (s. Bild oben). Die erste Frage zielt dabei genau auf den Kern des Themas in der Mitte der Spirale ab. Wenn es also z.B. um eine neue Studie geht, dann sollte der Mod (sofern das nicht in der Anmod erklärt wurde) als erstes Fragen, was diese Studie denn besagt. Und nach und nach kann man dann nach außen gehen und weitere Aspekte des Themas ansprechen. Ich würde nicht sagen, dass man so vom Wichtigsten zum Unwichtigsten geht (da z.B. das Evaluieren so einer Studie, was gegen Ende des KGs kommen kann, ja auch sehr bedeutend sein kann), aber man geht auf jeden Fall von innen nach außen und schafft eine gute Basis für den Hörer, zu folgen. Pro Satz sollte außerdem immer nur ein logischer Schritt gegangen werden.

Im Idealfall sollte das KG eine Art Frage-Antwort-Ping Pong zwischen Mod und Kollege werden. Ein Gespräch oder Dialog eben. Kein Monolog, in dem zweckmäßig mal jemand zwischendurch ne kurze Frage stellt.  


O-Töne

Der letzte Punkt, auf den ich eingehen möchte, sind die O-Töne. Ein O-Ton sollte nach Möglichkeit in keinem Kollegengespräch fehlen. Ein KG kann nämlich z.B. durch den O-Ton eines Experten eine größere Seriosität und Glaubwürdigkeit bekommen. Außerdem können die interviewten Experten ein Phänomen oft auf eine Art und Weise beschreiben, wie ihr es nicht besser hättet beschreiben können. Und dann kann man lieber den Expertenton nehmen (wenn er leicht verständlich ist), als es selbst umzuformulieren und unpräzise zu machen. Außerdem können Töne auch gut dazu geeignet sein, Emotionen einer betroffenen Person zu vermitteln etc.

Trotzdem sollte man auch bei Tönen darauf achten, dass pro Magazin-KG vielleicht nicht mehr als 3 Töne vorkommen. Denn sonst ist nicht mehr klar, wer eigentlich gerade die Informationen vermittelt, der O-Ton-Geber oder ihr als KG-Geber? Dasselbe gilt für die Länge der Töne. Die sollten idealerweise zwischen 10 und 17 sec lang sein. Allerhöchstens (wenn es nicht anders geht) 23 sec. Denn wenn man 3x20 sec für O-Töne verbraucht, dann haben Mod und Kollege nur noch wenig Zeit zum Gestalten ihres Beitrages.

Das Einführen des O-Tons (möglichst elegant) sollte immer der Kollege übernehmen und ihn auch wieder abnehmen. Der Kollege hat den Ton schließlich auch geholt und weiß, worum es inhaltlich geht. Und der Hörer findet es wahrscheinlich auch verwirrend, wenn vor dem Ton eine andere Stimme erklingt, als hinterher.

Rechtlich sind wir relativ frei, was das Verwenden von Tönen angeht. Jeden Ton, den man uns ins Mikrofon gegeben hat, können wir verwenden. Wir dürfen natürlich den Sinnzusammenhang nicht verändern oder den Kontext, in dem der Ton gegeben wurde. Schneiden (vor allem um zu kürzen), ist aber natürlich erlaubt.

Was aber definitiv nicht gestattet ist, ist das Verwenden von O-Tönen Minderjähriger. Ohne die schriftliche Einverständniserklärung der Eltern ist das nicht gestattet. UND (was viele nicht wissen) überall da, wo Hausrecht greift, darf man keine Töne holen. Das betrifft Bahnhöfe, Flughäfen und alle möglichen anderen Geschäfte. Also Vorsicht!

Ansonsten ist jeder Ton in guter Qualität (gut verständlich, ohne zu viele Hintergrundgeräusche oder Rauschen) gerne gesehen in einem KG. Aber vergesst nicht: Auch die Töne sollten elegant ein- und ausgefadet werden ;)



So, das war’s von mir zum Thema Kollegengespräch. All das und noch viel mehr haben wir im LfM-Seminar "Kollegengespräch/Aircheck" mit Christoph Flach in Düsseldorf besprochen. Immer wieder beruhigend für mich zu sehen, dass wir bei KC die meisten Kriterien und „Regeln“ für Kollegengespräche auch genauso vermitteln, wie es Christoph Flach tut.Trotzdem kann Flach auf unbestechliche Art und Weise den Gesamtzusammenhang bestimmter Aspekte immer wieder gut vor Augen führen und das Wissen, das man zu haben glaubt, noch vertiefen und sichern. Danke dafür :)

Und hier noch für alle, die bis zum Schluss durchgehalten haben, ein paar Basiskriterien zum Kollegengespräch, auf die man in einem Aircheck achten sollte und die wir im Seminar erarbeitet haben (copyright: Christoph Flach). Have Fun!

 

Basiskriterien Kollegengespräch

·         Fokussiert? Sektoraler Zugang? Ziel erreicht?

·         Rollen ok? Beziehungsebene ok?

·         Klar? Verständlich?

·         Mündlich?

·         Journalistisch/Inhaltlich korrekt? Diferrenziert?

·         Kleinteilig? Dynamisch? Viele Fragen?

·         Länge ok?

·         Töne ok? (in Inhalt und Qualität)

·         Töne gut eingebunden? Selber abgenommen?

·         Zielgruppengerecht? (Unsere Zielgruppe: Hochschulangehörige)

·         Einordnung vorhanden? (Was bedeutet das? Hinter die Kulissen gucken!)

 

 

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