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Verlierer der Pandemie: Die MinijoberInnen

Verfasst von Tatjana Walker am



  • Auswirkungen der Corona Krise- Ist der Minijob noch sinnvoll?

Mehr als 7 Millionen Frauen und Männer in Deutschland arbeiten aktuell in Minijobs. Die Corona Krise hat vieles verändert und somit auch den Arbeitsmarkt. Durch die einhergehende Entwicklung der Pandemie, sank die Zahl der MinijobberInnen erheblich. Laut der aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) brach die Zahl der ArbeitnehmerInnen in Minijobs, im Vergleich zum Vorjahr, um ganze 12 Prozent ein. Besonders sind Branchen mit hohem Minijob Anteil betroffen. Dies bedeutet also, Bereiche in denen die Corona Maßnahmen zusätzlich besondere Ausprägung fanden: Restaurants, Event- und Veranstaltungsbereich und Hotels.



  • Doch was bedeutet dies für die Beschäftigten?

Der 450€- Job

Dreiviertel der Studierenden arbeiten neben dem Studium. Dabei ist die Beschäftigungsform der Minijobs sehr beliebt. Die 450€- Jobs sind geringfügige Beschäftigungen mit einer maximalen Verdiensthöhe von monatlich 450 Euro oder einem Arbeitseinsatz von maximal 70 Tagen pro Kalenderjahr. Dabei sind diese bis auf die Rentenversicherung sozialversicherungsbefreit.



  • Ziel und Entwicklung der Minijobs

Die letzte Minijob Reform von 2003 wurde mit der Intention eingeführt, die Erwerbslosigkeit zu reduzieren und den geringqualifizierten Beschäftigten als Sprungbrett in das Arbeitsleben zu dienen. In dem Zeitraum von 2003 bis 2019 ist die Zahl der geringfügig entlohnten Beschäftigten, laut der Bundesagentur für Arbeit um 43 Prozent gestiegen.



  • Verlierer der Pandemie?

Folgende Problematik macht sich auf: Die MinijobberInnen haben durch die befreiten Sozialbeiträge weder Anspruch auf Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld. Keine Frage- die geringfügige Beschäftigten sind besonders stark von der Corona- Krise betroffen. Durch die Befreiung der Sozialversicherungsbeiträge wird dort gespart. Somit ist nach dem Jobverlust keine finanzielle Absicherung mehr vorhanden. Es gibt aber noch weitere Probleme. Viele MinijobberInnen (etwa 40 Prozent) haben nur einen befristeten oder gar keinen Arbeitsvertrag. Somit verlieren genau diese Menschen in der Krise viel schneller ihren Job und sind somit nicht abgesichert.

„Ich habe neben meinem Studium als 450€ Kraft in der Gastro gekellnert. Als dann der Lockdown kam, konnte ich nicht mehr arbeiten gehen und habe auch kein Kurzarbeitergeld bekommen. Ich musste mich nach einem neuen Job umschauen, da ich mein Studium ja irgendwie finanzieren muss.“, sagt Lena (23, Studentin).



  • Diskussion über die Reform der Minijobs

„Gerade in einer Rezession wie derzeit, werden MinijobberInnen schnell vor die Tür gesetzt. Doch unabhängig davon ist eine Reform der Minijobs überfällig. Der Bereich der geringfügigen Beschäftigung, ist in den vergangenen Jahren sehr groß geworden und gleichzeitig hat sich oftmals die Hoffnung, Minijobs könnten eine Brücke in normale sozialversicherungspflichtige Jobs sein, nicht erfüllt.“, sagt Markus M. Grabka, Mitglied im Direktorium des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) am DIW Berlin.

Nun wird über die Reform der Minijobs diskutiert. Im Fokus liegt es, Anreize zu schaffen die im Interesse der ArbeiterInnen liegen. Dies bedeutet, dass die Jobs so umgestaltet werden sollen, dass sie in allen Lebenssituationen eine zuverlässige und soziale Absicherung bieten können. 

Folgende Vorschläge sind unter anderem aufgekommen: Die Minijob Schwelle könnte auf 300€ abgesenkt werden. So können die Unternehmen immer noch flexibel in Bezug auf Nebentätigkeiten nach individuellem Bedarf sein. Wenn es die harte 450€ Grenze nicht mehr gibt, dann kann Mehrarbeit sich lohnen, da die Abzüge nicht mehr bei 450€ auf einen Schlag kommen. Dies könnte ein Anreiz schaffen, dass mehr gearbeitet wird und schrittweise aus einem Teilzeitjob vielleicht eine Vollzeitbeschäftigung wird. Wir erinnern uns, dies war die eigentliche Intention der 450€- Jobs. 

Zudem wird gefordert, dass die Sozialabgabenpflicht für die Minijobs wieder eingeführt werden soll. Somit haben die betroffenen auch in Notsituationen Anspruch auf Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld und sind abgesichert.



Quellen: 

https://www.diw.de/de/diw_01.c.802083.de/publikationen/wochenberichte/2020_45_1/beschaeftigte_in_minijobs_sind_verliererinnen_der_coronabedingten_rezession.html#abstract-collapsible

https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.802039.de/20-45.pdfhttps://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/gastronomie-arbeitskraefte-101.html

https://frauen.verdi.de/themen/gute-arbeit/++co++6e4f915a-2003-11eb-b8b2-001a4a160119

https://www.deutschlandfunk.de/forderungen-nach-reform-minijobs-in-der-corona-krise.724.de.html?dram:article_id=492024

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/minijobber-in-der-krise-101.html

https://arbeitsmarkt-und-sozialpolitik.verdi.de/ueber-uns/nachrichten/++co++5c5673fe-2285-11eb-b543-001a4a16012

https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-06/bertelsmann-studie-minijob-reform-abschaffung-corona

Bildquelle: Bild von Steve Buissinne auf Pixabay





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