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Aus dem Rhythmus: Pandemie und Periode

Verfasst von Nadja Heckelsberg am

Unsplash/Natracare

Im Mai 2020 postete die britische Gynäkologin Dr. Anita Mitra eine Umfrage auf ihrem Instagram Account @gynaegeek. Sie wollte wissen, ob User:innen seit Beginn des Lockdowns Veränderungen in ihren Menstruationszyklen oder hormonelle Symptome bemerkt haben. Mehr als 5.600 Leute nahmen an der Umfrage teil. Das Ergebnis: 65% der User:innen beantworteten die Frage mit “ja”.


Die Sensibilität des Zyklus

Mitras Umfrage kann nicht als repräsentativ betrachtet werden. Sie macht aber auf ein Thema aufmerksam, das viele Menschen betrifft. Wiebke ist 25 und hat im letzten Jahr ihre Ausbildung zur Logopädin abgeschlossen. Sie erzählt, dass sich auch bei ihr kurz nach Beginn der Corona-Pandemie stärkere Menstruationsbeschwerden häuften: “Anfangs habe ich es auf meinen Examensstress geschoben, aber jetzt ist das schon ein Jahr her und die Symptome sind nach wie vor da.” Sie glaubt, dass die Beschwerden durch den Stress der Pandemie entstanden sind.


Nicht nur Stress und psychische Belastungen, sondern auch einfache Veränderungen im Alltag können sich tatsächlich auf die Periode auswirken, bestätigt Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Gynäkologe. Er erklärt, dass Faktoren wie die Regelmäßigkeit des Tages- und Schlafrhythmus, Ernährungsumstellungen und viel oder wenig Bewegung zu Schwankungen in der Zykluslänge oder Veränderungen der Blutung führen können. Solche Symptome sind also ganz normal. Auch Wiebke sagt, ihre Gynäkologin hätte keine organischen Auffälligkeiten gefunden, nachdem sie sie auf ihre Beschwerden angesprochen hatte.


Impfung hat keinen nachweislichen Einfluss auf Menstruation

In den sozialen Medien werden zur Zeit häufiger Zyklusstörungen mit den Corona-Impfstoffen in Zusammenhang gestellt. Christian Albring weist darauf hin, dass es dafür keine wissenschaftlichen Belege gibt: “Klar ist jedoch, dass viele Menschen an der Impfung zweifeln, sich vor der Impfung ängstigen oder sich auch besonders darauf freuen und schon nachts vor der Impfung nicht schlafen können, was alleine schon zur Beeinflussung der Blutung führen kann.”


Dass Patient:innen seit der Corona-Pandemie vermehrt über Schwankungen im Zyklus klagen, kann er nicht bestätigen. Die meisten Patient:innen würden nur Dinge ansprechen, die ihnen Anlass zur Beunruhigung geben.


Wiebke versucht inzwischen mehr auf ihren Körper zu hören. Meistens nehme sie sich nicht viel vor, weil sie Bedenken hätte, ihre Menstruation könnte wieder schlimmer werden. Sie ist zwar auf diese Probleme vorbereitet, “aber das ist schon sehr einschränkend,” sagt sie.



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