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Mach mal Pause! Warum weniger lernen mehr ist

Verfasst von Niklas Runge am

(CC-0) Wokandapix / pixabay.com

Forscherinnen und Forscher des US-amerikanischen National Institute of Health haben in einer Studie untersucht, wie sich Pausen beim Lernen auf das Gehirn auswirken. Dafür mussten die Proband*innen per Computertastatur so schnell wie möglich die Zahlenfolge „41324“ abtippen. Nach jeder zehnminütigen Übungseinheit erfolgte eine ebenso lange Pause. Während den Pausen zeichnete das Forschungsteam die elektrische Gehirnaktivität der Versuchspersonen auf. Die Forschenden konnten so beobachten, dass das Gehirn in den Pausen ebenso aktiv war wie in den Übungseinheiten. Verblüffend war vor allem, dass das Gehirn den vorher geübten Bewegungsablauf in 20-facher Geschwindigkeit wiederholte. Dass die Pausen überaus effektiv waren, um das Gelernte zu vertiefen, zeigte sich auch dadurch, dass die Proband*innen während den Übungseinheiten beim Tippen nicht schneller wurden. Eine sichtbare Verbesserung der Geschwindigkeit sah man erst, nachdem die Versuchspersonen nach den Pausen eine neue Übungseinheit starteten.

Durch Pausen effektiver lernen

Ob dieses „Lernen im Schnelldurchlauf“ auch bei geistig anspruchsvollen Tätigkeiten oder nur bei motorischen Abläufen stattfindet, soll in einer noch folgenden Studie geklärt werden. Dennoch ist jetzt schon bewiesen, dass auch beim Lernen für die Uni Pausen nicht nur nötig, sondern auch hilfreich sein können. So fand die lettische Forschungsgruppe Draugiem in einem Versuch heraus, dass der optimale Arbeitsrhythmus bei 52 Minuten Lernen, gefolgt von 17 Minuten Pause liegt. Lernten die Proband*innen der Studie in diesem Rhythmus, waren sie am produktivsten. Durch die eingeschobenen Pausen wurde das Wissen außerdem besser verankert und verknüpft.

Studierende unter Druck

Doch gerade beim Lernen in der Prüfungsphase scheinen Studierende gern auf Pausen zu verzichten. „Wenn ich nach einer Stunde Lernen schon Pause mache, habe ich immer direkt auch ein schlechtes Gewissen“ sagt Pia, 24. Der Zeitdruck und die Menge des Stoffs verleiten viele Student*innen dazu, regelrechte Lernmarathons zu veranstalten. Für viele wird es dann schwer, sich von den Lernunterlagen loszureißen, denn sie haben das Gefühl, ohne durchzulernen wäre der Prüfungsstoff nicht zu bewältigen. Dabei ist bewiesen, dass nach 20 Minuten die Konzentrationsfähigkeit beim Lernen bereits sinkt und es nach einer Stunde schon unmöglich ist, weiter auf seinem anfänglichen Level produktiv zu sein. Nur durch Pausen kann man seine Konzentration wieder steigern und so effektiv lernen.

Richtig Pause machen

Aber das Pause machen muss gelernt sein. Um die Konzentrationsfähigkeit wiederherzustellen und auch damit das Gelernte besser hängen bleibt, muss in der Pausenzeit die Kopfaktivität heruntergefahren werden. Das bedeutet: keine Nachrichten lesen, keine Mails schreiben und kein Social Media. „In der Pause ist Selbstfürsorge am besten. Bewusstes Atmen, Bewegung oder sich einfach Zurücklehnen“ rät Silke Frank von der Lernberatung des Kölner Studierendenwerks. Natürlich sollte man seinen Arbeitsflow nicht künstlich unterbrechen, wenn man aber merkt, dass nichts mehr geht, ist man schon lange über seine Aufnahmefähigkeit hinaus. Wichtig ist, dass man seinen eigenen Lernrhythmus findet und dabei auch Alltagsgewohnheiten und den individuellen Biorhythmus kennt und berücksichtigt. Schafft man sich Rituale vor dem Lernen und setzt festgelegte Zeitfenster sowie eine Feierabendgrenze, hilft das bei der Umsetzung und verhindert außerdem, dass man das Lernen aufschiebt.

Falls ihr Probleme habt beim Lernen oder euch auch sonst gerne mal Unterstützung holen wollt, hilft euch die Lernberatung des Kölner Studierendenwerks gerne weiter. Die Mitarbeitenden der Lernberatung gehen auf eure individuelle Situation und eure Fragen ein und verhelfen euch so zu eurem optimalen Arbeitsflow und steigern eure Lerneffektivität.


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