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Internet ohne Werbung – wollen wir das?

Verfasst von Alex B am

Der Axel-Springer-Verlag, das Unternehmen hinter der Bild-Zeitung, fordert ein Verbot von sogenannten Adblockern. Der Bundesgerichtshof erteilt eine klare Absage. Adblocker haben das Internet nachhaltig verändert – sowohl für Anbieter als auch Nutzer*Innen. Aber ist ein Internet ohne Werbung wirklich erstrebenswert?

Wer ihn hat, will ihn nicht mehr missen – den Adblocker. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung für den Browser, die wie ein Filter funktioniert. Sie durchsucht eine Internetseite nach Werbung und verhindert, dass diese den Nutzer*Innen angezeigt wird. Die Gründe, Adblocker zu nutzen, sind vielfältig. Großflächige Banner links und rechts von Online-Artikeln gehören noch zu den angenehmeren Vertretern der Werbeindustrie. Gängige Methoden sind ebenfalls eine komplette Überdeckung des Webseiteninhalts oder das Abspielen eines Werbevideos bevor man Zugriff auf den gewünschten Inhalt bekommt. “Ohne Adblocker sehen die meisten Internetseiten einfach nur zugemüllt aus”, findet Marco, der Intelligent Systems Design studiert und seit Jahren einen Adblocker installiert hat. “Und die Werbung vor Youtube Videos ist oft viel zu lang.” Internetwerbung ist viel aufdringlicher als beispielsweise Werbung in der Zeitung oder im Fernsehen. Das nervt, und deshalb finden Adblocker, vor allem in den letzten Jahren, großen Anklang.


Adblocker sind weit verbreitet

Einer Schätzung zufolge nutzten im Jahr 2018 etwa 30% aller Internetnutzer*Innen einen Adblocker, Tendenz steigend. Dabei werden Browsererweiterungen dieser Art hauptsächlich auf Laptops und PCs genutzt – Smartphones sind grundsätzlich eher geschlossene Systeme und bieten deshalb häufig nicht die Möglichkeit, externe Adblock-Apps zu installieren. In den letzten Jahren ist die Vielfalt der Optionen zur Ausblendung von Werbung im Internet stark gewachsen. Die weltweit meistgenutzte Erweiterung wird von eyeo, einem Unternehmen aus Köln, entwickelt und wird von über 100 Millionen Menschen benutzt. Einer Pressemitteilung zufolge steht eyeo für „[…] ein faires und nachhaltig finanziertes Internet.“ Damit bezieht das Unternehmen sich auf die Aussage des Axel-Springer-Verlags, die Einblendung von Werbung im Internet falle unter das Presserecht. Laut eyeo ist “Pressefreiheit [...] ein hohes Gut, es darf nicht für rein wirtschaftliche Interessen missbraucht werden”. Wie fair und nachhaltig Adblocker wirklich sind, steht allerdings zur Debatte.


Es mangelt nicht an Nachfrage für Inhalte, aber wie sollen sie finanziert werden?


Adblocker stellen erhebliche Probleme für Journalisten und Kreativschaffende dar, die auf Einnahmen durch Werbung angewiesen sind. Für viele YouTuber und Journalisten bricht durch den Ausfall der Werbeeinnahmen eine wichtige finanzielle Säule weg, die nötig ist, um auch weiterhin ihren Beruf ausüben zu können. Die Betroffenen suchen also andere Wege, ihre Inhalte zu monetarisieren. Es ist nicht die Nachfrage an Content, an dem es scheitert – es mangelt an der Bereitschaft, Werbung zu tolerieren, um Zugriff auf Online-Artikel oder YouTube-Videos zu erhalten. Das kreativschaffende Internet hat sich also um alternative Möglichkeiten zur Monetarisierung bemüht. Gerade für YouTuber sind Plattformen wie Patreon oder das deutsche Unternehmen Steady essenziell geworden.


Das Internet, versteckt hinter der Paywall


Wer Werbung schaut, bezahlt mit seiner Zeit. Die hohe Verbreitung von Adblockern zeigt, dass dies häufig nicht mehr dem Wunsch der Konsumenten entspricht. Eine Alternative ist, Geld für Content zu zahlen und im Gegenzug vollständig auf Werbung verzichten zu können. Diesem Prinzip folgen Crowdfunding-Plattformen wie Patreon. Dort können Content-Creator ihre Inhalte zum Verkauf anbieten – häufig in Form eines Abonnements. Interessierte Kunden bezahlen einen festen Preis und haben exklusiven Zugang zu Inhalten. Adblocker führen dazu, dass Content Creator auf verschiedenen Plattformen aktiv sein müssen, um ein verlässliches Einkommen zu haben. Sponsorenfinanzierte Videos sind längst keine Seltenheit mehr und gehören im Youtube-Mainstream zur Norm. Auch der Online-Journalismus musste sich anpassen und hat einen Lösungsansatz gefunden. Artikel werden hinter einer sogenannten Paywall versteckt – nur wer bezahlt, bekommt Zugriff. Kostenloser, werbefinanzierter Content im Internet als Selbstverständlichkeit? Das war mal.


Gewissenhafter Umgang mit Adblockern


Auch abseits des Mainstreams sieht die Situation besorgniserregend aus – gerade kleine Content Creator sind durch Adblocker bedroht. Wer noch keine Community hinter sich hat, die eine Finanzierung durch Patreon stemmen kann, muss in Zukunft mit stark sinkenden Werbeeinnahmen rechnen. Wer gute Inhalte unterstützen möchte und dafür bereit ist, einige Sekunden Werbung in Kauf zu nehmen, sollte sich mit der Konfigurierung des Adblockers auseinandersetzen. Obwohl diese standardmäßig alles an Werbung blocken, was sie finden können, lassen sich für die meisten Erweiterungen ohne Probleme Ausnahmen hinzufügen. Es liegt also an den Nutzer*Innen der Adblocker, diese gewissenhaft einzusetzen und Ausnahmen für Content festzulegen, den sie durch Werbeeinnahmen unterstützen möchten. Sonst besteht die Gefahr, dass kostenfreier Content immer seltener wird und das Internet hinter einer großen Paywall verschwindet.








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