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Frühstückslektüre | Innovation in Bibliotheken

Verfasst von Jule Schremmer am

Technischer Fortschritt macht vor (Uni)Bibliotheken nicht Halt und setzt sie unter Druck. Doch was genau tuen diese eigentlich, um mit der Digitalisierung Schritt zu halten?

CC(0) Free-Photos/ pixabay.com

 
Wenn du bei dem Wort Bibliothek auch an ein altes Gebäude mit vielen Holzbalken und meterhohen Bücherregalen denkst, dann ist es jetzt vielleicht an der Zeit, dieses Bild gegen ein Neueres auszutauschen. 
Viele Bibliotheken haben nämlich umgedacht und ein sogenanntes Innovationsmanagement entwickelt. Dieses ist besonders an deutschsprachigen Universitätsbibliotheken weit verbreitet. Darunter versteht man Methoden und Techniken, aber auch Haltungen und Bewusstsein, wie sich Bibliotheken verändern und ihr Angebot weiterentwickeln können.

Das ist dringend notwendig, damit Bibliotheken zukunftsfähig bleiben und nicht völlig von irgendwelchen Onlinediensten ersetzt werden. Denn inzwischen gibt es die meiste Lektüre auch irgendwo online zwischen Amazon und Google zu finden.
Und seien wir mal ehrlich: Auf einen Download- Button zu klicken ist nunmal um Einiges bequemer, als in die nächste Bibliothek zu laufen, eine halbe Stunde nach dem richtigen Buch zu suchen und dieses dann mit seinem vorher beantragten Bibliotheksausweis auszuleihen. Nur um es dann zuhause in der Ecke zu vergessen und nach ein paar Wochen plötzlich zehn Euro Gebühr zahlen zu müssen. 

Doch was können Bibliotheken machen, damit die Anzahl der Nutzerinnen und Nutzer nicht sinkt?

Die freie Universität Berlin geht da mit einem guten Beispiel voran. Dort können Studierende seit Kurzem während dem Lernen Fahrrad fahren und damit Strom für ihren Laptop oder ihr Smartphone erzeugen. Denn schließlich gehen viele Studierende nicht nur in die Bibliothek um sich ein Buch auszuleihen, sondern auch einfach, weil sie hier am konzentriertesten lernen können.

«Viele wissenschaftliche Studien haben bereits gezeigt, dass sich kurze, leichte Bewegungseinheiten positiv auf Konzentration und Aufmerksamkeit auswirken» - so Bibliotheksmitarbeiterin Janet Wagner in einem Interview mit dem "Spreeradio".
 
Derzeit läuft das Projekt noch in seiner Testphase, aber auch an anderen Bibliotheken und Flughäfen wurde die Idee bereits umgesetzt. Was an der Bibliothek in Berlin außerdem besonders ist: Sie ist ein sogenanntes "intelligentes Gebäude", d.h. sie lüftet und temperiert sich komplett selbst.

Einmal im Jahr wird in Deutschland die Bibliothek des Jahres ausgezeichnet. Im Jahr 2017 gewann die Universitätsbibliothek in Leipzig, da diese laut Jury auf allen Feldern stetig neue Innovationen hervor bringt. Hier wurden zwar keine Räder gebaut, aber dennoch kann diese Bibliothek mit einigen Methoden "der digitalen Welt" glänzen. Beispielsweise hat die UB Leipzig 2013 als eine der ersten Bibliotheken mit einem nutzergesteuerten Erwerbungsverfahren begonnen, sodass begrenzte Literaturmittel bedarfsgerecht eingesetzt werden können (nennt sich publishing-on-demand). 2015 wurde übrigens die Kölner Stadtbibliothek mit dem Preis Bibliothek des Jahres ausgezeichnet.

Wer schonmal in Stuttgart war, kennt vielleicht die nächste innovative Bibliothek. Die Stadtbibliothek Stuttgart beeindruckt nämlich nicht nur mit ihrer atemberaubenden Architektur. Hier gibt es außerdem extra Räume wie ein Klangstudio, eine Graphothek oder eine Online Animation Library. In besagtemKlangstudio kann man beispielsweise Schallplatten digitalisieren oder mit einer Software Noten scannen und komponieren. Ziemlich cool oder? 

In anderen Teilen der Erde gibt es weitere tolle Projekte, die dem Aussterben von Bibliotheken entgegenwirken sollen. So hat die "Contra Costa County Libraryin Kalifornien eine Ausleih- Maschine entwickelt, mit der Nutzerinnen und Nutzer sehr einfach und sehr schnell das passende Buch finden können. Sie müssen dazu einfach nur ihre "library card" einscannen und können auf einem Bildschirm das gewünschte Buch auswählen. Das wird dann auch sofort von der Maschine ausgespuckt. 

Ist also fast so einfach wie auf einen Download- Button zu klicken. Nur, dass man das Buch zwei Sekunden später in den Händen hält. Wäre nur zu schön, wenn die Universitätsbibliothek in Köln das auch einführen könnte...

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