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Frühstückslektüre | Die Kiezmarke - Eine neue Währung für Obdachlose

Verfasst von Tobias Tarnow am

Im Winter ist es bekanntlich frostig, vor allem draußen. Da ist es doch immer wieder schön, ein Dach über seinem Kopf zu wissen. Doch die kalte Jahreszeit lässt die Rufe nach Hilfe für diejenigen, die nicht über das Privileg eines festen Wohnsitzes verfügen, jährlich lauter werden. In Berlin gibt es jetzt einen neuen Ansatz, das Teilen einfacher zu gestalten.

Ich kaufe mir einen Pulli und bringe dem Obdachlosen vor der Tür direkt noch einen mit, nur eben in Form einer silbernen Münze. So oder so Ähnlich stellen sich die Projektmanager der Initiative One Warm Winter wohl die Zukunft des Teilens vor. Die sogenannte Kiezmarke soll nämlich das finanzielle Unterstützen für Obdachlose noch zugänglicher zu machen.

Seit Beginn der Aktion im Dezember letzten Jahres konnten schon viele Berliner Partnerunternehmen gefunden werden, die die runden Gutscheine neuerdings anbieten. Neben vielen Imbissrestaurants, oder auch kleineren Dienstleistungsunternehmen wie zum Beispiel ein Friseursalon, scheinen auch größere Ketten ihr Interesse am Helfen zu bekunden. So kann man zum Beispiel in Berliner C&A-Filialen jeder Zeit etwas Gutes tun. Hier wird die Kiezmarke im Gegensatz zu den kleineren Shops allerdings nur in Form einer Geschenkkarte mit einem bestimmten Wert angeboten.

Eine Münze hat jedoch keinen festen Wert. Sie funktioniert eher als eine Art Gutschein der jeweiligen Läden und kann auch nur dort eingelöst werden, wo sie zuvor gekauft wurde. Ihr Preis variiert also auch je nach gekauftem Objekt. Die Kiezmarke für einen Burger kostet beispielsweise fünf Euro, für einen Haarschnitt bezahlt man einen Zehner. Interessant hierbei ist, dass der finanzielle Gewinn der Kampagne laut eigener Angaben der Stiftung größtenteils als Spende für Berliner Obdachlosen vorgesehen ist.

Die von der Friends with Benefits Stiftung organisierte Initiative wird auch von der Werbeagentur Dojo unterstützt. Diese ist wohl für die offensive Marketingstrategie verantwortlich, die seit einigen Wochen online geschaltet wird. Prominente Gesichter wie unter Anderem die von Joko Winterscheid oder Jennifer Weist zeigen sich zum Beispiel in einem kurzen Werbevideo für den guten Zweck. Trotzdem steht das Charity-Projekt natürlich noch in den Startlöchern, weswegen die Arme der Organisation für neue Partner immer noch weit geöffnet sind.

One Warm Winter möchte zum Einen weitere Anlässe für Berlins Bürger schaffen, Geld zu spenden, aber gleichzeitig auch die Integration der Obdachlosen fördern. Durch Friseurbesuche, Hygieneartikel, oder auch neue Kleidung für die Bewohner der Straßen kann die Resozialisierung einfacher erfolgen, so zumindest der Gedanke. Außerdem sehen es die Organisatoren vor, nicht nur die Passanten, sondern gerade auch größere Unternehmen zum Teilen und Helfen zu motivieren.


Allein in Berlin haben laut Schätzungen der Wohlfahrtsverbände rund 10.000 Menschen kein festes Dach über dem Kopf. Da ohne eine feste Bleibe nur wenige der staatlichen Unterstützungen wirken, sind viele auf die Hilfe Anderer angewiesen. Die Kiezmarke ist ein weiterer Versuch, es den Armen unserer Gesellschaft wenigstens ein bisschen einfacher zu machen. Je mehr Unternehmen dieses oder ähnliche Projekte unterstützen, desto größer kann offensichtlich auch der tatsächliche Wert dieser Aktionen werden. Und bei Erfolg der Kiezmarke in Berlin gibt es sie dann ja vielleicht auch schon bald in Kölner Läden zu kaufen.


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