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Frühstückslektüre | „Sex sells“ - Der Kampf gegen sexistische Werbung

Verfasst von SophiA am

Praktisch seit Anbeginn der Werbung werden die Körper von Frauen, aber auch die von Männern, als Werbefläche genutzt. Nach dem Motto „Sex sells“ verdient die Werbebranche an unserer Nacktheit. Alles und jeder wird zum Sexobjekt im Namen von Profit und Marketing. Doch nicht in Köln!

(CC BY 2.0) Feral78 / flickr.com

Denn in der Öffentlichkeit auf knapp bekleidete Frauen und Männer zurückzugreifen, duldet die Stadt nicht mehr. Bereits seit 2015 geht die Stadt gegen sexistische Werbung vor, die Rollenklischees und Nacktheit als Verkaufsschlager nutzen. Im Werbenutzungsvertrag ist seither festgelegt, dass auf öffentlichen Flächen der Stadt keine sexistische Werbung gezeigt werden darf.

Neuer Handlungsleitfaden zum Sexismus?

Das Amt für Gleichstellung zwischen Mann und Frau hat nun einen „ Handlungsleitfaden zum Umgang mit sexistischer Werbung in Köln“ herausgebracht. Sie soll den Bürgern helfen und als Orientierung dienen. Zustande gekommen ist der Leitfaden, da es in den letzten Jahren oft zu Beschwerden über sexistische Werbung kam. Besonders über Bordell-Werbung in der Nähe von Schulen und Kindergärten wurde sich lautstark beschwert. Gleichstellungsbeauftragte Dagmar Dahmen stellt sich nun gegen die Werbebranche: „Dann sind wir sofort aktiv geworden und haben Kontakt zu den Verantwortlichen aufgenommen.“

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Den Sexismus einfach grundsätzlich verbieten?

Das Problem: Sexistische Werbung im nichtöffentlichen Raum - also an Hauswänden oder Privatgrundstücken. Denn hier greifen die Gesetze nicht, die Befugniss liegt dort nämlich bei den Werbeagenturen selbst. In dem Fall hilft nur reden. Doch laut Dahmen war die Ressonanz hauptsächlich positiv und die meisten Werbemacher haben Verständnis für die Bordellkritik in der nähe von Schulen. Binnen 24 Stunden ist die sexistische Werbung überklebt worden.

Fahrender Sexismus

Doch der Kampf gegen sexistische Werbung an Wänden hört dort noch lange nicht auf. Auch auf Autos, Lieferwagen und Fahrrädern finden sich plakative Anpreisungen von halbnackten Frauen. Mit zweideutigen Sprüchen und aufreizenden Versprechen locken die Werbemacher in voller Fahrt.

Wieder das Problem des nicht öffentlichen Werberaums, bedeutet: Auch hier hat die Stadt keinen rechtlichen Einfluss. Stattdessen werden erneut aufklärende Gespräche geführt.

So setzte das Gleichstellungsamt beim Taxiruf Köln durch, dass Kunden ausdrücklich einen Wagen ohne sexistische Werbung beordern können. Die Funktion kann auch in der App „taxi.eu“ genutzt werden, bestätigt Aleksander Dragicevic, Taxiruf-Geschäftführer in Köln.

Da es aber ohnehin kaum noch Taxen mit sexistischer Werbung gibt, ist dies wohl eins der geringsten Probleme.

Rückwärtsbewegung von Sexismus

Die Gleichstellungsbeauftragte betonte, dass seit den letzten Jahren der Fokus immer mehr auf die junge Generation verrutscht. Hier werden Spielzeugen schon früh Geschlechterrollen zugewiesen. Mädchen müssen pink, Jungen blau tragen. Und überhaupt dürfen die Kleinen nur mit dem für sie produzierten Spielzeug spielen, wenn es ihrem Geschlecht angepasst ist. Deshalb setzt Dahmen sich auch für die Kleinen ein, denn ansonsten: „... setzen sich Rollenmuster in den Köpfen fest, die eigentlich längst überwunden sein sollten.“, und das sollte auf jeden Fall verhindert werden.

Endloser Kampf?

Ist der Kampf gegen Sexismus aussichtslos? Nein, natürlich nicht. All die kleinen Schritte mögen klein sein aber gehen in die richtige Richtung. Außerdem muss man ja irgendwo anfangen. Ob man das Thema mittlerweile nun nervig findet oder nicht, ist dennoch eine persönliche Sache. Wir stimmen jedenfalls Dahmen zu: Sexismus verdient keine Chance, egal wo oder gegen wen.

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Frühstückslektüre

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