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Frühstückslektüre | Wieso ich Wikipedia nicht in der Uni zitiere

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Wikipedia hat Geburtstag. Ganze 17 Jahre alt wird die weltweite Wissenssammlung, nächstes Jahr ist sie sozusagen volljährig. Höchste Zeit also, mal zu überprüfen, ob Wikipedia wirklich den Kinderschuhen entwächst. An vielen deutschen Hochschulen sieht das noch nicht wirklich danach aus.

(CC-0) StockSnap / pixabay.com

Don't Cite Wikipedia

Als ich an der Universität mein Studium begonnen habe, war Wikipedia ein alter Bekannter. Schon in der Schule hatten wir über die Online-Enzyklopädie und dessen Zitierfähigkeit gesprochen. Von daher war es für mich naheliegend, als auch an der Uni keiner müde wurde zu betonen: “Don't Cite Wikipedia”. Obwohl Wikipedia inzwischen also einige Zeit hatte, sich zu etablieren, scheint es von den Hochschulen noch nicht für voll genommen zu werden. Doch warum ist das eigentlich so?

Probleme mit der Zitierfähigkeit?

Kritiker hinterfragen vor allem drei verschiedene Aspekte des Wikipedia-Prinzips: die Qualität der Artikel, die Anonymität der Autoren und die Veränderbarkeit der Artikel.


Am häufigsten kritisieren Skeptiker, dass Wikipedia-Artikel nicht professionell geprüft werden. Während sich Befürworter stark machen für das Prinzip von gegenseitiger Kontrolle, zweifeln Kritiker an der Schwarm-Intelligenz. Kann Wikipedia mit konventionell editierten und kontrollierten Enzyklopädien, wie zum Beispiel dem Brockhaus, mithalten? Wissenschaftliche Studien untersuchen genau diese Frage, indem sie die Fehlerquote prüfen und mit der von etablierten Verlags-Enzyklopädien vergleichen. Je nach Studie unterliegt Wikipedia knapp den konventionellen Enzyklopädien oder ist aber auch gleichauf mit den etablierten Verlagshäusern. Studien, in denen Wikipedia schlechter abschneidet, sind oft älter. Es könnte also sein, dass sich Wikipedia im Laufe der Zeit qualitativ verbessert hat und vielleicht sogar bald den Brockhaus oder die englische Britannica überholt.

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Der zweite Punkt: die Veränderbarkeit. Ein Wikipedia-Artikel kann im Prinzip in jedem Moment von jedem eingetragenen Nutzer bearbeitet und somit inhaltlich abgeändert werden. Ich kann dieses Problem zwar umgehen, indem ich einen Permalink nutze, der auf eine zeitlich festgesetzte Version des Artikels verweist. Doch diese Lösung ist den Meisten nicht bewusst und das Problem hat deshalb nach wie vor negativen Einfluss auf das Image von Wikipedia.

Es bleibt der dritte, entscheidende Kritikpunkt: Die Anonymität der Artikel-Ersteller. Wenn ich einen Wikipedia-Artikel zitiere, kann ich diesen Artikel keiner konkreten Person zuschreiben. Die einzelnen Ersteller und Bearbeiter des Artikels verschwinden hinter dem Wikipedianer-Kollektiv. Ich kann also auch niemanden als verantwortlich adressieren, falls etwas falsch sein sollte. Dieser Umstand ist vor allem im akademischen Feld problematisch. Zitiere ich also einen Wikipedia-Artikel, der falsch ist, bin ich selbst verantwortlich.

Und jetzt?

Während die Qualität der Artikel offenbar nah an konventionelle Enzyklopädien herankommt, bleibt das Problem mit der Anonymität. Da ich im Zweifelsfall nicht den Herausgeber oder Autor für einen Fehler verantwortlich machen kann, ist das Zitieren eines Wikipedia-Artikels immer ein persönliches Risiko.

Ungeachtet der verschiedenen Studien zu Qualität und der Lösung des Permalinks gilt im akademischen Kontext die generelle Norm: Für die erste Recherche sit Wikipedia sinnvoll und nützlich. Will ich allerdings eine "verlässliche" Quelle zitieren, nehme ich lieber keinen Artikel aus Wikipedia. 

Frühstückslektüre

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