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This is where the magic happens

Verfasst von Richard Krings am

Equipment zur Musikproduktion wird immer erschwinglicher. Viele Musiker verlegen ihre Produktionen deshalb vom professionellen Tonstudio in ihr eigenes Schlafzimmer. Über Homerecording.

(CC-0) studiobmedia / pixabay.com

3. Januar 1982 irgendwo in New Jersey. Der 32-jährige Bruce Springsteen sitzt im Schlafzimmer seiner Wohnung und musiziert. Gitarre, Mundharmonika, Gesang und ein Glockenspiel nimmt er mit einem 4-spurigen Kassettenrekorder auf. Eigentlich sollten die Aufnahmen als Demo für das Album dienen, welches Springsteen mit der E-Street-Band aufnehmen wollte, doch die Proben liefen nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte. Deswegen veröffentlicht Bruce Springsteen kurzerhand die Demoaufnahmen als Album. Der kommerzielle Erfolg bleibt zwar zunächst aus, doch 'Nebraska' gilt heute als eines seiner besten Alben.

Das Meisterwerk, das Springsteen geschaffen hatte, zeigt, dass es nicht immer nötig ist, in einem professionellem Studio aufzunehmen. Im Gegenteil: Es scheint, als ob sich gerade die Umgebung der eigenen vier Wände positiv auf die Musik auswirkt. Mal abgesehen von den technischen Voraussetzungen, die mit dem Teac Tascam 144 als Aufnahmegerät absolut low budget waren, lässt das eigene Schlafzimmer als Aufnahmeort wahrscheinlich auch ganz andere Dinge zu, die in dem sterilen Studio der Plattenfirma so nicht stattfinden können.

Durch die Freiheit zu jeder Zeit Musik machen und aufnehmen zu können kann sich der Künstler erst richtig entfalten. Das persische Sprichwort “Vier eigene Wände machen einen Menschen frei” trifft ganz bestimmt auch auf die Musikproduktion zu.

Wenn man mit seiner Band beispielsweise ein Studio für drei Stunden gebucht hat, muss man in der Zeit auch abliefern. Aber Musiker sind im besten Fall keine Dienstleister, die einen 'nine to five Job' haben, sondern sollten auch bei einer nächtlichen Eingebung aus dem Bett direkt ins Heimstudio stolpern, und Musik machen können. Ein Unterhemd tragender, zwischen Bierflaschen und Zimmerpflanze Platz für das Focusrite Scarlet Interface schaffende Musiker muss doch auch automatisch ehrlichere Musik produzieren, oder?

Zumindest ist es heutzutage um einiges einfacher im eigenen Zuhause Musik aufzunehmen und zu produzieren. Im Prinzip reicht fast schon ein geeigneter Rechner. Doch man sollte das ganze auch nicht unterschätzen. Das beste Equipment nützt nichts, wenn man sich nicht die Zeit nimmt, um in die Materie einzusteigen. Musikproduktion ist eine Kunst für sich und jedes Zimmer braucht je nachdem eine individuelle Aus- und Einrichtung des Equipments. Doch Not macht erfinderisch. Das SM 58 mit Gaffa Tape provisorisch am Kamerastativ fixiert, die Wände mit Eierkartons tapeziert und auf dem Laminat einem dicken Perserteppich ausgelegt. Das alles kann man dann vielleicht im Endprodukt hören, aber irgendwie hat das was..

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