Leitung: Daniel Küthe

magazin@koelncampus.com

bambule. Kaffeebar - Weg mit den Wegwerfbechern!

Verfasst von am

Studenten und Kaffee, das gehört einfach zusammen. Nach dem Seminar kurz ein Käffchen holen und dann ab zur nächsten Vorlesung. Das Problem: Unmengen Müll in Form von Kaffee-To-Go Bechern. Die Lösung: Mehrwegbecher. Wir haben Mechthild Böcker von der bambule. Kaffeebar in Köln-Kalk zu diesem Thema interviewt.

(CC-0) Alexas_Fotos / pixabay.com

Kaffee trinken viele nicht nur Zuhause in den eigenen vier Wänden, sondern auch gerne unterwegs, To-Go. Da ist es zwar praktisch, dass man Kaffee heutzutage überall zum Mitnehmen kriegt, das führt aber auch zu einem Problem: nie dagewesene Mengen an Müll. Das weiß jeder, der schon einmal am Ende eines Seminars seinen Becher in den Müll geworfen hat. Denn das ganze Prinzip der Kaffee-To-Go-Becher es ja ist, dass man sie direkt in die Tonne hauen kann. Dass man daran etwas ändern sollte, scheint offensichtlich. Aber wie? In Freiburg gibt es seit November 2016 ein flächendeckendes Pfandsystem für Kaffe-To-Go-Becher und auch die Stadt Köln denkt seit kurzem darüber nach, ein Mehrwegsystem nach Freiburger Vorbild einzuführen.

Wie das mit guten Ideen so ist – meistens gibt’s einige Vorreiter, die das Problem direkt selbst in die Hand nehmen. Eine solche Vorreiterin ist Mechthild Böcker. Sie betreibt die Bambule-Kaffeebar in Köln Kalk und hat dort bereits Ende letzten Jahres ein Mehrwegsystem für Kaffeebecher eingeführt. Kölncampus hat Sie zum Interview eingeladen.

Die bambule. Kaffeebar in Köln-Kalk
bambule.Kaffeebar / facebook
Die bambule. Kaffeebar in Köln-Kalk

Köln Campus: Erklär doch mal kurz, wie das Pfandsystem bei euch funktioniert.

Mechthild: Bei uns kauft der Kunde einen Becher, der kostet dann 10€, kriegt die erste Füllung gratis dazu und er kann dann selber entscheiden, ob er den Becher behält und immer wieder ausgewaschen mitbringt, oder, ob er sich dazu entscheidet, den Becher bei mir wieder zurückzugeben. Dann wasch ich den Becher aus und er kriegt einen Pfand-Coin und beim nächsten Mal kommt er wieder mit dem Pfand-Coin, gibt mir den und kriegt einen neuen Kaffee.

Köln Campus: Seit wann macht ihr das schon so?

Mechthild: Wir machen das tatsächlich jetzt seit Dezember 2016 im Bambule so, und ich glaub am 8.12.2016 wurde erst der Antrag auch vorgelegt in Köln auf Prüfung auf Nachhaltigkeit.

Köln Campus: Produziert ihr denn schon spürbar weniger Müll?

Mechthild: Ja, also ich habe schon den Eindruck, dass es jetzt weniger wird, obwohl das Pfandsystem momentan noch nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Es läuft bei den Kunden, die es benutzen, also die mir den Becher wirklich bringen und ich denen den Pfand-Coin gebe und der Tausch halt wirklich funktioniert.

Da trauen sich die Leute nicht mehr wirklich, einen To-Go-Becher mitzunehmen
Ich hab's mir noch extremer vorgestellt, aber was gut ist: es trinken viel mehr Kunden mittlerweile bei mir den Kaffee dann doch jetzt in der Bambule, weil sie genau wissen, ich verkaufe eigentlich die Becher, um Nachhaltigkeit zu fördern und ich glaub da trauen sich die Leute nicht mehr wirklich, einen To-Go-Becher mitzunehmen.

Der Mehrwegbecher der Bambule. Kaffeebar in Köln-Kalk
bambule.Kaffeebar / facebook
Der Mehrwegbecher der Bambule. Kaffeebar in Köln-Kalk

Köln Campus: Würdet ihr auch bei einer Erweiterung Köln-weit mitmachen?

Mechthild: Ja, total gerne! Ich habe damit auch gar nicht gerechnet, dass das jetzt in Köln kommt, weil meine Becher waren längst bestellt, als das in Köln überhaupt angesprochen wurde, dass es was Flächendeckendes geben werden soll, wie in Freiburg.

Für mich war das eine ausweglose Situation mit den Bechern
Für mich war das halt einfach so, ich musste jetzt reagieren, für mich war das eine ausweglose Situation mit den Bechern, denn ich sehe was ich wegschmeiße jeden Tag, also ich gebe es ja raus. Und von daher musste ich handeln und hatte da auch schon fast ein Jahr mit der Idee rumüberlegt und letzten Endes gesagt „okay, komm, wir machen's vor Weihnachten und hauen es raus“.
Und wenn's kommt, klar schließe ich mich an. Ich hatte natürlich Kosten für mein System und hoffe, dass es natürlich nicht übermorgen stattfindet, was nicht passieren wird, aber es wäre total löblich.

Der Freiburg Cup - Ein Mehrwegkaffeebecher, der in der gesamten Freiburger Innenstadt abgegeben werden kann
dpa/picture-alliance/Patrick Seeger
Der Freiburg Cup - Ein Mehrwegkaffeebecher, der in der gesamten Freiburger Innenstadt abgegeben werden kann

Köln Campus: Ist das in einem so großen Rahmen überhaupt durchführbar?

Mechthild: Ich glaube es wird richtig gut funktionieren, also ich glaube, wenn wir wirklich ein System hätten, es gibt für ganz Köln, sagen wir mal einen einzigen Becher und den kann man überall, wie eine PET-Flasche wieder abgeben, das wäre doch grandios. Dann würde das auch jeder nutzen und wenn man dafür auch nicht viel Geld bezahlen muss im Vorfeld, weil zur Zeit ist das bei mir so, der Kunde finanziert den Becher ja mit. Anders würde das System bei mir auch nicht funktionieren. Aber wenn man das im großen Rahmen macht, dann wird das ja viel besser funktionieren. Man könnte kostengünstiger diese Becher einkaufen. Also das wäre natürlich auch für jede Seite finanziell total super.


Abschließend lässt sich sagen, dass Mehrwegbecher ein Schritt in die richtige Richtung sind. Aber es bleibt zu hoffen, dass die großen Kaffee-Verkäufer wie Starbucks, Kamps und Backwerk anfangen ihre Wegwerfpolitik zu überdenken und sich auf ein gemeinsames Pfandsystem mit den Kölner Cafés einigen können. Erst dann können Millionen Tonnen Papiermüll effizient vermieden werden.

Zurück zur Übersicht

Sag's weiter: