Leitung: Jenny Lange & Federico Kersting

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Berlin Excelsior ist kein Hotel

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Es ist ein Mehrfamilienhaus im Riesenformat mit 17 Stockwerken - mitten in Berlin Kreuzberg.

Das Excelsior in Berlin
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Das Excelsior in Berlin

Das aus den 60er Jahre stammende Gebäude ist Schauplatz für die  minimalistische, beschreibende Dokumentation "Berlin Excelsior". Dort wohnen Menschen aller Altersklassen und Gesellschaftsschichten. Einer grindert sich durch seinen tristen Alltag, ein anderer will ein Unternehmen gründen, das es so schon 350 Mal auf der Welt gibt. Die Bewohner in diesem Gebäudekomplex möchten etwas verändern: sich selbst und ihr Leben.

Unerfüllte Wünsche sind das zentrale Thema in Berlin Excelsior. Unerfüllte Wünsche, die so leer bleiben wie die Menschen, in denen sie wachsen. Oberflächliche, stereotype Charaktere ohne Nähe zum Zuschauer. Aus dem echten Leben zwar, aber genauso langweilig wie der Nachbar gegenüber. Schwere Schicksale über einen Kamm des Gewöhnlichen geschert.

87 Minuten leitet der Regisseur Erik Lemke den Zuschauer durch eine Welt, die er schon kennt und schon oft gesehen hat. Die Kamera bleibt dabei zwar nur beobachtend und greift nicht aktiv ins Geschehen ein, was einen merkwürdigen Taumel zwischen Spielfilm und Dokumentation mit einem Hauch Berlin Tag & Nacht erzeugt. Das lässt auch an der Echtheit der Charaktere zweifeln. Teils aufgesetzt und unsympatisch leben die Bewohner vom Excelsior ihren Alltag. Und man selbst schaut ihnen dabei zu.

Der Dokumentation Berlin Excelsior fehlt es an Raffinesse, an Sympathieträgern und Handlung. Der Niedergang der unerfüllten Seelen plätschert in Spielfilmlänge vor sich hin ohne sich zu entwickeln. Ein trauriges Schauspiel, das so echt sein mag wie das Leben selbst, aber einfach schlecht inszeniert ist.


Fazit: Da übe ich meinen Alltag lieber selbst aus, als anderen dabei zuzusehen.

Regie: Erik Lemke
Genre: Dokumentation
Produktionsland: Deutschland
Dauer: 87 Minuten

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