Leitung: Teresa Virnich & Federico Kersting

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Feierliche Eröffnung der 67. Berlinale

Verfasst von Lukas Schulze Beiering am

9. Februar, Punkt 20:00 Uhr Friedrichstadtpalast. Die Leute haben sich herausgeputzt und bereits eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn ist der Saal fast schon voll. Ich erwische noch einen der erträglichen oberen Parkettplätze, die meisten nach mir haben weniger Glück und müssen auf die Seitenränge weit außen. Ich bin gespannt ob sich mein Sitzplatz lohnt.

Der Saal im Friedrichstadtpalast füllt sich für die Eröffnungsfilmpremiere
© LSB
Der Saal im Friedrichstadtpalast füllt sich für die Eröffnungsfilmpremiere

Mit zehn Minuten Verspätung geht es dann los mit der Übertragung der Eröffnungsfeier aus dem Berlinale-Palast. Anke Engelke moderiert wie bereits im vergangenen Jahr und das größtenteils gekonnt - die Witze gegen Trump sind zwar vorauszusehen, aber angebracht. Überhaupt wird viel über die schwierige Weltlage geredet, Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Berlins Bürgermeister Michael Müller verweisen auf den folgenschweren Mauerbau in Berlin und danken Festivaldirektor Dieter Kosslick für die politische Haltung der Berlinale. Der wiederum verspricht ein lebensbejahendes Programm für die kommenden zehn Tage. Zum Schluss wird noch die Wettbewerbsjury vorgestellt, die bereits am Vormittag der Presse für Fragen und Antworten zur Verfügung stand. Hier stellte Jury-Präsident Paul Verhoeven klar, dass sich das Gremium nicht "politisieren" lasse, und er in erster Linie da sei um Filme zu schauen. Nun, werter Herr Verhoeven, das bin ich auch!
Wie ist er also nun, der Eröffnungsfilm "Django"?

Reda Kateb und Cécile de France in Étienne Comars “Django“
© Roger Arpajou
Reda Kateb und Cécile de France in Étienne Comars “Django“

"Django" schließt nahtlos an die Gala an. Étienne Comars Debütfilm über den Jazz-Musiker Jean "Django" Reinhardt ist kein typisches Biopic, sondern porträtiert bloß einen kleinen Ausschnitt aus Reinhardts Biografie während der Zeit des Nazi-besetzten Frankreich. Reinhardt ist 1943 ein Star und spielt in Paris vor riesigem Publikum - die Nazis wollen, dass er für sie in Berlin spielt, allerdings ohne Blues, Soli und tanzenden Menschen. Für Reinhardt ein Witz. Er weigert sich und will in die Schweiz fliehen. In Thonon am Genfersee geht es aber erst mal nicht weiter. Hier bekommt Reinhardt, selbst ein Sinti, die Verfolgung seines Volkes durch die Nazis zum ersten Mal selbst zu Gesicht. Er rebelliert auf seine Weise - mit Gypsy Swing und Gitarre. "Django" fehlt es manchmal an Verve, vor allem wenn länger keine Musik vorkommt. Dann aber glänzt der Film und stellt ohne Probleme klar, warum Jazz DIE Musik der Zeit war und auch bis heute nichts von seiner Energie verloren hat.
Ein gelungener Auftakt! Mein Sitzplatz hat sich gelohnt und ich freue mich auf die kommenden Tage.

Berlinale

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