CSD

Leitung: Daniel Küthe & Esther Ritscher

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Wer A sagt, muss auch Asexualität sagen

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Es liegt in der Natur des Menschen in Kategorien zu denken. Obschon uns das Kategorisieren in manchen Situation als sehr hilfreich erscheint, kann es einen negativen Einfluss auf unsere Psyche oder unser Selbstwertgefühl haben, wenn wir uns von der Gesellschaft in eine Schublade gezwängt fühlen, mit der wir uns nicht identifizieren können.

Menschen sind komplexer als die Unterscheidung zwischen Jeans und Hosen oder Küche und Bad. Dementsprechend reicht es nicht, die Komplexität der menschlichen Interaktionen, Gefühle und Sexualität in kompakte, klar definierte Modelle zusammenfassen zu wollen. Zugegebenermaßen hat sich unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten immer mehr für eine Diskussion über das Spektrum der Sexualität geöffnet, aber auch heute gibt es noch Menschen, die Angst davor haben, sich zu ihrer sexuellen Orientierung zu bekennen. Dies kann für jeden Betroffenen unterschiedliche Gründe haben; Oft ist es mit der Angst verbunden, nicht verstanden oder akzeptiert zu werden. Eine der Gruppen, die auch 2018 immer noch unterrepräsentiert sind, sind die Menschen, die als asexuell geboren wurden.

Wir leben momentan in einem Zeitalter, in dem wir sowohl über die Gleichberechtigung Aller sprechen, als auch in einer Zeit, in der wir ständig mit sexualisierten Köpern konfrontiert werden. Sei es in Filmen, Serien oder der Werbung, die Devise bleibt die Gleiche: “Sex sells”. Es scheint beinahe so, als wäre der Sexualtrieb das Einzige, was uns Menschen miteinander verbindet. Dementsprechend kommt es manchen gar nicht in den Sinn, dass es auch Personen geben könnte, die sich damit nicht identifizieren können. Diese Menschen zählen zu den 1-2% der Bevölkerung, welche sich nie oder nur sehr selten sexuell von Anderen angezogen fühlen.

Obschon das Phänomen bereits seit über 60 Jahren bekannt ist, fehlt es immer noch an einem gesellschaftlichen Bewusstsein über diese sexuelle Orientierung. Einer der Ersten, der mit diesem Thema an die Öffentlichkeit getreten ist, ist David Jay, ein amerikanischer Asexuality-Activist. Er gründete im Jahr 2001 die Internetseite asexuality.org und das Forum AVEN (Asexuality Visibility and Education Network).  Jay war frustriert über das fehlende Verständnis seines Umfeldes und wollte somit dafür sorgen, dass die nötigen Informationen, die zur Aufklärungen dienen sollten, leichter zugänglich sind. Gleichgesinnte sollten eine Anlaufstelle für Fragen und Unterstützung haben.

So wie die Mehrzahl der sexuelle Orientierungen, hat auch die Asexualität mit hartnäckigen Vorurteilen zu kämpfen, deshalb ist es an dieser Stelle noch einmal wichtig zu betonen, dass es sich auch bei dieser Form der Sexualität oder eben dem Fehlen der Sexualität um einen angeborenen Zustand handelt. Die Personen haben sich nicht dazu entschieden, Leben ohne Sex führen zu wollen, sondern sie verspüren sehr wenig bis keine sexuelle Anziehung. Nichtsdestotrotz sollte man auch hier nicht wieder in binäre Muster verfallen, denn es gibt durchaus asexuelle Menschen, die dieses Verlangen, wenn auch nur äußerst selten, empfinden können. So befinden sich zum Beispiel auch Demisexuality und Greysexuality/Graysexuality im Spektrum der Asexualität. Demisexuals sind Personen, die sexuelle Anziehung nur dann verspüren, wenn es zuvor bereits eine starke emotionalen Bindung gab. Greysexuals verspüren nur sehr selten oder unter bestimmten Bedingungen eine sexuelle Anziehung.

Ein weiteres Missverständnis tritt zudem bei der Frage nach romantischen Gefühlen auf. So gibt es zum Beispiel Personen, die auf der Suche nach romantischen Partnern sind und andere, die sich als aromantisch verstehen und auch Kuscheln oder Küssen ablehnen, aber auch dies hängt immer vom Individuum ab.

Kurz zusammengefasst, Asexualität ist Teil eines facettenreichen Spektrums an menschlicher Sexualität. Die Menschen, die sich als asexuell bezeichnen, wurden so geboren und leiden nicht an psychologischen oder anderen Krankheiten, die die Unlust an Sex zur Folge hat. Asexuelle können liebende Partnerschaften haben, aber auch hier variiert das Bedürfnis nach menschlichem Kontakt abhängig vom befragten Individuum. Während manche auch offen für eine sexuelle Komponente in ihren Partnerschaften sind, wäre dies für andere nicht denkbar, wiederum andere sehen diesen Aspekt neutral. Wichtig wäre es im Folgenden, für mehr Verständnis und Aufklärung zu sorgen um der strukturellen Diskriminierung und der gesellschaftliche Stigmatisierung den Kampf anzusagen.

Von Annick Goergen

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