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Sechzig tschechische Chefchemiker und ein paar Radiomenschen, die besser sprechen lernen wollen

Verfasst von Victoria Przybyl am

Das war mehr oder minder die Ausgangslage beim Sprechtraining mit der LfM-Trainerin Casy M. Dinsing bei Radio Q in Münster. Ein Wochenende lang wollten wir an unserer Aussprache feilen, Atemtechniken einüben und lernen, wie wir unseren Sprechapparat so aufwärmen können, dass wir vor dem Mikro bestmöglich abliefern können.

(CC-0) WikiImages / pixabay.com

Weil es bei uns allen hier und da an der Aussprache hapert haben wir uns am zweiten Tag besonders auf die klare Artikulation konzentriert. Was kann man dafür tun?

Artikulationsübungen machen. Ein- oder zweisilbige Wörter, die mit N- oder M- beginnen, bieten sich an: neulich, Nomen, Not, nein, Muße, mir, Mäulchen, Mythe. Solche Wörter kann man langsam vor sich hin sprechen, am Besten zuerst mit einem Korken im Mund. Den Korken sollte man dafür zwischen die Schneidezähne stecken und dabei darauf achten, möglichst wenig Korken im Mund zu haben (sonst stößt die Zunge an und man fängt über kurz oder lang an zu sabbern). Gar nicht so einfach, dann noch Mensch, Motte oder munden zu sagen ohne zu nuscheln. Wenn man die gleichen Wörter danach aber nochmal ohne Korken sagt, klingt es tatsächlich ein bisschen deutlicher.

Lockerungsübungen für die Zunge machen. Dafür kann man sich irgendeinen Satz überlegen, den man mehrfach hintereinander sagen möchte (wir haben uns für „Ich möchte klar und deutlich sprechen“) entschieden. Diesen Satz sagt man insgesamt sieben Mal, und jedes Mal verändert man dabei die Position der Zunge im Mund. Man fängt an, indem man die Zunge gegen den letzten Backenzahn oben links drückt und seinen Satz aufsagt. Weiter geht es oben hinten rechts, dann unten hinten links, dann unten hinten rechts. Dann die Zunge von innen gegen die Schneidezähne drücken und danach die Zunge gegen das Gaumendach. Ja, man kommt sich absolut bescheuert dabei vor. Aber wenn man dann schließlich zum siebten Mal „Ich möchte klar und deutlich sprechen sagt“ und dabei die Zunge nicht mehr verrenkt, dann spricht man witzigerweise wirklich deutlicher. Diese Übung wirkt sofort und kann kurz vor einem Beitrag helfen, ob air nicht so viel zu nuscheln.

Zungenbrecher üben. Verschiedene Lautkombinationen sind schlichtweg nicht einfach aussprechen. Sch- und das stimmlose sssss zum Beispiel. Um das zu üben, kann man den Satz „She sells sea shells“ aufsagen und versuchen, dabei zwischen sells und sea keine unnatürlich lange Pause zu machen, sondern es so flüssig wie möglich zu sagen. Das ging ja noch. Aber bei den sechzig (sprich: sechzich, denn das -ig am Ende eines Wortes darf man im Hochdeutschen verschleifen, soll man sogar) tschechischen Chefchemikern sind wir alle an unsere Grenzen gestoßen:

Sechzig tschechische Chefchemiker schätzen sechzig tschechisch-chinesische Chefchemikerinnen.

Wer diesen Satz fehlerfrei und in entsprechendem Tempo sagen kann, muss sich keine Sorge um seine Aussprache von sch- und ch-Lauten mehr machen.

Sich Zeit lassen. Bei der Vorbereitung des Textes können wir uns Pausen einzeichnen und die Wörter unterstreichen, die wir betonen wollen. Vor allem können wir uns Wörter, die wir nicht kennen, bei denen wir nicht wissen, wie sie ausgesprochen werden, vorher markieren und die richtige Aussprache googeln, zum Beispiel in einer Sprecherdatenbank.
Beim Sprechen vor dem Mikro sollten wir dann nicht zu schnell durch den Text rasen. Klar kann je nach Textsorte ein bestimmtes Tempo angemessen sein, und etwas schneller gesprochene Passagen sorgen auch für Dynamik. Aber wenn wir versuchen, ein bisschen langsamer zu sprechen, passieren uns Verschleifungen (nich statt nicht, Jahn statt Jahren) nicht so schnell.

Fazit: Egal ob wir gleich on air gehen oder einen Beitrag einsprechen wollen, wenn wir uns ein paar Minuten Zeit zum Aufwärmen nehmen können wir viel für eine deutliche Aussprache tun. Im großen und Ganzen hilft es oft schon, sich ein wenig bewusster auf das Tempo und die Aussprache zu konzentrieren. Aber hin und wieder ist gegen eine lokale Einfärbung auch nichts zu sagen.

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