Liebe ab der ersten Sendung
Verfasst von Lina von Coburg am
Ich hasse frühes Aufstehen. Also wirklich aus tiefstem Herzen. Mein Mitbewohner hat eines Morgens, als ich barfuß und verquollen in die Küche getapst kam, mal trocken gesagt: „Lina, du siehst aus wie der Tod.“ Und eben wie dieser Tod muss ich auch an meinem ersten Frührausch ausgesehen haben.
Denn ich sag's wie's ist: Allein der Gedanke, um sieben Uhr im Sender aufzutauchen, war für mich zu Beginn der Ausbildung der absolute Horror. Mein Körper hat sich das erste Mal nur widerwillig aus dem Bett gerollt und sofort nach dem ersten Kaffee gelechzt. In der Bahn sind mir die Augen zugefallen, nein, ich glaube ich habe die Hälfte der Strecke schlicht gepennt. Ein Kaffeejunkie auf Schlafentzug – schlimmer geht’s fast nicht.
Aber als ich mich an jenem ersten Frührausch zum Sender geschleppt hatte, waberte schon der Duft von frischem Kaffee durch die bunten Flure. Auf dem Tisch warteten warme Brötchen und der Mod begrüßte mich freudig. Und spätestens nach der ersten Sendung – dem ersten Mal mit schwitzigen Hände vorm Mikro stehen, dem ersten Versprecher mit hochrotem Kopf, der ersten Feedbackrunde, ganz ohne Love-Sandwiches, aber trotzdem konstruktiv und überraschend nett – war’s um mich geschehen.
Frühes Aufstehen blieb zwar weiterhin mein Feind. Aber Radio? Das war Liebe ab der ersten Sendung.