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Erfahrungsbericht | Am Anfang war das Ei

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Im Leben biete sich manchmal Chancen, die man ergreifen muss. „Once in a lifetime, Püppi“, sagt man dazu in Italien. Meine Geschichte ist so eine.

Interview mit dem Ausnahmetalent Muhriella Jones.
Gero Brixius (Köln Campus)
Interview mit dem Ausnahmetalent Muhriella Jones.

Wer Radiojournalist*in werden will, dem stehen nur zwei Möglichkeiten offen. Erstens: der klassische Weg. Du lernst jemanden kennen, der einen kennt, der einen kennt, der irgendwo Chef*in ist. Du bekommt einen Job in einem großen Medienunternehmen und bist drin. Du schreibst ein zwei erfundene Reportagen, wirst irgendwann erwischt, gibst deine Preise zurück und fängst ein neues Leben in der Subsahara an. Zweitens: der suboptimale Weg. Du studierst irgendwas ins Blaue, weißt nicht so richtig, was du machen sollst. Irgendwann sprechen dich Freunde an und sagen zu dir: „Du regst dich immer über alles auf und redest zu viel, geh ins Radio.“ Wochen später bekommst du auf dem Albertus-Magnus-Platz einen Flyer in die Hand gedrückt. Im strömenden Regen entzifferst du die Einladung zum Infotreffen für das Hochschulradio und denkst dir: „Alles klar Leute, easy.“ Du gehst entspannt zum Infotreffen und trägst dich mit hunderten Anderen zum Casting ein: „Aufgeregt? Come on.“

Das Casting

Jetzt startet der Überlebensmodus. Du sitzt zusammengekauert mit zwanzig gequälten Gestalten auf dem Fußboden vor der Kammer des Schreckens und bereitest dich mental auf die knallharte Fragerunde vor, die dir bevorsteht.

Was ist deine Lieblingsfrikadelle? Was macht die Knackwurst knackig? Welches Wort formen die Leberflecken auf Britney Spears Hinterkopf?….. und, und, und.......
Tränenüberströmt rennen an dir arme Studierende vorbei, die es zum dritten Mal nicht in den Recall geschafft haben. Aber was soll's, du bist eine Einzelkämpfer*in. Du hast Blut geleckt. Mit schwitzigen Händen begrüßt du das Tribunal im Castingraum. Zwei, drei gesprungene Salti und ein hastig gerufenes „Wenn ich eine Obst wäre, dann wäre ich gerne die Guacamole!“ müssen heute einfach reichen. Mensch, warst du aufgeregt, war das überhaupt die Frage? Sind Guaca-Mole nicht diese kleinen blinden Tiere, die sich mit einem Stock durch das Erdreich tasten? Egal, wird schon gereicht haben.

Du bist drin!

Du schaust jetzt jeden Tag panisch in deinen E-Mailaccount. Habe ich es geschafft? Werde ich eine Rose bekommen, oder ist meine Zeit in der südafrikanischen Traumvilla an der Seite von Hennesey McDoof schon vorbei? Aber egal, sie ist endlich da.

Keine Zeit mehr für Zweifel!

Ein langer steiniger Weg wartet auf dich. In 12 Wochen wird aus dir, einem schlammigen Lehmbrocken, ein Diamant des Radiojournalismus werden.

You'll shine like a diamond, Baby!
Und der Aufstieg geht schnell. Von den ersten zögerlich gestammelten Mensatipps wirst du zum kreativen Ausnahmetalent der UDWs. News sind schon lange kein Hindernis mehr für dich. Was die Studierenden bewegt? Pah, das weißt du schon lange. KGs, ein Witz. Deinen knallharten Fragen kann niemand mehr entkommen. Waaaas? Die Uni erhöht die Mensapreise? Nicht mit dir! Wenn sich Günter Wallraff, als Rindenmolch verkleidet, in den Streichelzoo einschleichen kann, dann gehst du als Brokkoli in die Mensa und stellst die richtigen Fragen. Punkt!

Du hast es geschaff!

Am Ende wartet dann nur noch dein journalistisches Meisterstück auf dich und die Welt. Nächtelang recherchierst du für dein Thema. Initiativ, investigativ. Du bist die vierte Gewalt. Du kontrollierst die Staatsorgane und die Wirtschaftskonzerne. Und dann hast du es geschafft. Herzlichen Glückwunsch! Du wirfst dir deine Jacke über die Schulter und pfeifst zum Abschied „Nä, wat wor dat dann fröher en superjeile Zick...“. Aber es wird natürlich nicht das Letzte gewesen sein, was wir von dir gehört haben. Die Welt der Spezialsendungen wartet auf dich

Also los, bewirb dich!



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