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Hier sind Erfahrungsberichte unserer Ausbildungsabsolventen. 

Erfahrungsbericht I Mengenhaft Magie am Monday Funday

Verfasst von Berit Kalus am

Über ein beleidigtes Stoffschwein, Panik vorm Staubsaugen, das Wochentag-Identifikations-Prinzip und eine Menge schnieker Socken.

Der Morgen meines ersten Frührauschs (aka warum Friedrich mich jetzt nicht mehr mag)...


…Ich wache auf, durchströmt von Panik. Habe ich verschlafen? Ich setze mich auf und tappe mit meiner Hand verwirrt im Dunkeln umher. Wo ist mein Handy? Alles ist stockduster um mich herum. Auf meinem Nachttisch kann ich nur mein Stoffschwein ertappen, das nach der letzten Putz-Aktion dort gelandet ist. Frustriert werfe ich Friedrich ans Bettende. Immer noch kein Handy. Endlich finde ich es, unter meinem Kopfkissen. Aha! 5:29 Uhr. Ich habe meinen Wecker also um eine Minute überholt. In ewiger Angst vor dem traumatisierenden Geräusch schalte ich das doofe Ding aus, bevor es tatsächlich klingeln kann. Ich muss schlucken. Überströmt von einer Welle von schlechtem Gewissen, greife ich dann sofort nach Friedrich und setze ihn behutsam wieder auf den Nachttisch. „Tschuldigung“, murmle ich verlegen. Der Arme kann doch auch nichts für die Uhrzeit.


Die Panik vorm Staubsaugen


Stimmige Outfitkombinationen, das ist einer der vielen Dinge, zu denen ich um 5:30 Uhr eher weniger in der Lage bin. Aber heute wird sich zusammengerissen. Der schönste irgendwie-schon-okay-aber-warm-genug-Pulli wird aus dem Schrank gekramt. Aufregung pulsiert in meinen Venen. Heute spreche ich im Radio. Sollte ich so aufgeregt sein? Ist das lächerlich? Ist das normal? Ich mache doch erstmal nur Mensatipps. Aber die hören Leute auch. Menschen müssen schließlich essen. Wer hört denn Montag morgens eigentlich noch Radio? Sind die Leute nicht schon ohnehin schon ausgestorben? So rasen die Gedanken durch meinen Kopf, angeführt von dem wichtigsten, dem Prägnantesten, dem Anführer aller Gedanken. Jetzt mach mal hinne, sonst musst du Staubsaugen! Ich bin nicht bekannt für das beste Gedächtnis, doch diese eine Regel hat sich sofort bei mir ins Gehirn rein gebrannt. Wer zu spät kommt, muss staubsaugen. Ich hasse staubsaugen. Ich schaffte es aus dem Haus. Ich schaffte es pünktlich zum Sender. Streng genommen haben mich die Aufregung und die Panik vorm Straf-Staubsaugen sogar 10 Minuten zu früh dahin getrieben. Ich war als erste da und stand alleine in der Kälte.


Das Wochentag-Identifikations-Prinzip


Doch nicht für lange. Langsam sind sie alle eingetrudelt. Unser CvD (Chef vom Dienst), unser Mod (Moderator), und natürlich…mein Montag. All die Leute, die mir über die nächsten paar Wochen und Monate noch so ans Herzen wachsen würden. Es gab Kaffee, es gab Brötchen, es gab eine Stunde Frühstück um sieben Uhr morgens mit Sekt und O-Saft (klingt bedenklich um die Uhrzeit an einem Montag, ist es wahrscheinlich auch, doch wurde in alter Kölncampus-Tradition als überraschend normal angesehen).  Alle drei Wochen kamen und gingen neue Leute, doch man wird ewig verbunden bleiben, denn man ist der Montag. Bei Kölncampus, das müsst ihr wissen, haben die Wochentage semi-bedenkliche Identifikations-Bedeutungen. Du bist dein Tag, ihr seid eine feste Gruppe, der coolste Tag seid ihr sowieso immer, und alles kriegt ihr immer am besten gebacken, obwohl genau euer Tag doch sowieso unter den schwierigsten Umständen von allen Tagen leidet. Eure Leute sind die coolsten und bei euch macht es am meisten Spaß. Schon mal in einem Sommercamp in eine Gruppe gesteckt worden und gegen die anderen Gruppen angetreten? Ist das gleiche Prinzip, nur das bei Kölncampus natürlich niemand gegeneinander Antritt und ich gerade total übertreibe, weil natürlich auch jeder die Leute von den anderen Tagen auch echt mag, aber…you get the picture.


Die krass-coolen Socken des super toppen Monday Funday


Und einen krass-coolen Namen, den hat euer Tag sowieso. Ich bin also ein Montagsmädchen und mit Milch und Sekt im Schlepptau am mengenhaft magischen Monday Funday aufgetaucht. Wir fanden unsere Beiträge Super-Top (der Gebrauch dieses Kompliments hat rituelle Züge bekommen), solidarisch stand immer irgendjemand mit dem Raucher auf dem Balkon, ob die Leute jetzt selbst geraucht haben, oder nicht. Wir haben zusammen gelacht, wir haben zusammen geweint (vor allem an dem Morgen an dem ich aus Versehen die abgelaufene Kaffee-Milch-meines Mitbewohners eingepackt habe und an dem noch traumatischeren Morgen, an dem es gar keinen Kaffee mehr gab). Von Kollegengespräch-King-Pia, dem damals-noch-Mini-Mod-in-Ausbildung-André, Partizipations-Peter-Julian und Johannes-schläft-schon-wieder-auf-der-Couch-mit-dem-Stoffhund-im-Arm, über JJ-kann-super-top-über-Musik-schreiben-Juliana, sind-Kinderbücher-rassistisch-Kati, Rrrrrrrrrrrrrrebekka, bis hin zu Antihelden-Ronja und dem Jannik-mit-dem-ewigen-Grinsen-auf-den-Lippen erstreckte sich meine Montags-Generation. Und dann natürlich noch all die Mods und CvDs, die mit uns immer eine richtig geile Sendung geschmissen haben. (Ganz vorne voran natürlich der Montags-Meik, der echt häufig am Start war, wenn sonst keiner Zeit hatte und den Laden dann als CvD und Mod gerockt hat).


Das obligatorische Schlusswort


Oh, und habe ich sie alle lieb gewonnen. Das passiert doch schnell mal bei uns. Da sollte man euch echt vorwarnen. Eines Morgens wachst du panisch auf und behandelst dein Stoffschwein Friedrich unfair, weil du um 7 Uhr morgens aufgeregt zum ersten Frührausch in den Sender musst. Und 3 Monate später identifizierst du dich auf einmal mit einem Wochentag, kennst ‘ne Menge neue Leute, hast so viele von denen echt richtig lieb gewonnen und pilgerst einmal die Woche in der Kälte zu einem Mäuerchen, um das Getränk deiner Wahl mit eben diesen coolen Socken zu konsumieren.


 Also Bock auf ne Runde Radio?


Ihr müsst echt früh aufstehen und es ist eine Menge Arbeit. Das sollte euch schon bewusst sein. Aber ihr lernt ultra viele schnieke Leute kennen, und lernt richtig, richtig viel. Gönnt es euch. Ich kann es echt empfehlen.
Staubsaugen musste ich trotz starker Sorgfalt um Pünktlichkeit und ständiger Panik am Montag morgen übrigens trotzdem mal. Danke dafür, Meik.

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