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Was Haarefärben mit Chemie und Physik zu tun hat

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Haarefärben ist - ihr ahnt es schon - keine Magie, sondern läuft nach den Naturgesetzen ab. Und was für Prozesse passieren dabei? Richtig - chemische oder physikalische.

(CC BY 2.0) Hair color2012 / flickr.com

Ich war vor ein paar Wochen ziemlich froh, das ich im Radio und nicht im Fernsehen moderiere, ich hatte nämlich eine Haarfarbe, die ich, naja, nicht so gut fand. Das war aber bei mir ganz gewollt: ich hatte nämlich schwarz gefärbte Haare, möchte blond werden, um dann bunt zu färben. Ich hab mir vorab natürlich eine ganze Menge Fragen gestellt. Unter anderem auch: wie funktioniert das eigentlich mit dem Haarefärben?

Färbung, Blondierung, Tönung, Intensivtönung... erstmal lassen sich Haarfarben in zwei Kategorien unterscheiden. In Färbungen und echte Tönungen. Färbungen wirken chemisch, echte Tönungen wirken physikalisch. Färbungen bestehen immer aus zwei Komponenten. Die Basis enthält neben Ammoniak, Wasser, Emulgatoren und anderen Komponenten die eigentliche Farbe. Diese Basis wird immer mit einem Oxidationsmittel, und zwar Wasserstoffperoxid gemischt. Dieses Oxidationsmittel zerstört die natürlichen Pigmente im Haar. Wenn in der Basis keine Farbe drinsteckt, wird das Haar also nur aufgehellt. Das ist dann eine Blondierung. Bei einer Färbung, zum Beispiel von der Farbe braun, kann dann nach der Oxidation die neue Farbe in das Haarinnere wandern, wo sie sich mit dem Haarkeratin verbindet. Lässt man dem Prozess genügend Zeit, dann hat man auf magisch-chemische Weise eine andere Haarfarbe, die sich nicht mehr auswaschen lässt. Wasserstoffperoxid gibt es in verschiedenen Konzentrationen – in den offiziell so genannten Haarfarben wird meist 6 Prozent verwendet. Dann gibt es noch Tönungen beziehungsweise Intensivtönungen. Aber aufgepasst, das ist eigentlich das gleiche wie eine Färbung! Nur milder: es wird meist 1,9 bis 4 prozentiges Wasserstoffperoxid verwendet. Das heißt: Auch wenn die Haarfarbe von Intensivtönungen stärker verblasst als eine richtige Haarfarbe und sie sich in den meisten Fällen wirklich mit Geduld rauswaschen lässt: die Haarstruktur wird dabei trotzdem geschädigt.

Im Gegensatz zu Färbungen gibt es die echten Tönungen. Echte Tönungen sind zum Beispiel so ziemlich alle bunten Farben, die man so kaufen kann. Diese Tönungen heißen auch Direktzieher. Die Farbe wird nicht mit einer anderen Substanz gemischt. Sie wirkt physikalisch, durch magnetische Ladung. Die Pigmente in der Farbe sind positiv geladen, sie lagern sich an die negativ geladene Haaroberfläche an. Darum schädigen sie das Haar nicht. Für die meisten Direktzieher muss allerdings vorher blondiert werden, selbst wenn das Haar von Natur aus schon hellblond ist. Das Problem ist nämlich, dass natürliche Haare positiv geladen sind – die bunte Farbe würde also abgestoßen werden. Nach einer Blondierung oder einer Färbung sind die Haare erstmal stark negativ geladen und so haftet die positive Farbe besonders gut an ihnen. Mit jeder neuen Haarwäsche, bei der das Haar gepflegt wird, wird die Ladung wieder ein Stückchen positiver – und zudem verliert sich die magnetische Wirkung der direktziehenden Farbe: sie wäscht sich aus.

Also: die Haarfarbe verändern – das geht sowohl chemisch als auch physikalisch!

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