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Von der hässlichen Seite der Kosmetik

Verfasst von Sara von Knobelsdorff am

Wenn man beginnt sich über die Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten zu informieren bricht eine Welle großer Gefahren und gegensätzlicher Meinungen über einen herein. Man wird überrollt von Informationen zu bedenklichen Inhaltsstoffen. Es eröffnet sich eine hässliche Seite der Kosmetik: Fast kein Produkt, so scheint es, ist unbedenklich zu benutzen. Drei dieser bedenklichen Inhaltsstoffe und ihre Eigenschaften stellen wir euch hier vor!

(CC-0) WerbeFabrik / pixabay.com


FORMALDEHYD // FORMALDEHYDABSPALTER
Formaldehyd wird mittlerweile nur selten in reiner Form genutzt. Oft wird in Produkten auf sogenannte Formaldehydabspalter zurückgegriffen - eine Vorstufe der Chemikalie. Formaldehyd oder Formaldehyspalter werden zur Konservierung, aber vor allem zur Bindung und Härtung von Stoffen genutzt. Deswegen ist es hauptsächlich in Nagellacken, Nagelhärtern und Haarglättungsmitteln enthalten, aber auch in Cremes, Make-Up, Deo, Shampoo, Färbemitteln und Flüssigseife ist es nicht selten auf der Inhaltsstoffliste zu finden.
 
Ab einem Anteil von 0,06% des Gesamtprodukts muss das Produkt die Kennzeichnung "enthält Formaldehyd" tragen. Formaldehyd darf immer nur in kleinen Mengen vorhanden sein. In Nagellacken darf beispielsweise maximal bis zu 5% der Chemikalie vorhanden sein.

Für den menschlichen Körper bedenklich sind Formaldehyd und Formaldehydabspalter vor allem, weil es Allergien, Haut-, Atemwegs- oder Augenreizungen verursachen kann. Außerdem wird vermutet, dass Formaldehyd krebserregend ist, dies konnte aber bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden. Dennoch stuft die Weltgesundheitsorganisation Formaldehyd als CMR-Stoff (=krebserregend für den Menschen) ein.

Formaldehyd und Formaldehydabspalter auf der Inhaltsstoffliste:
DMDM Hydantoin, Diazolidinyl Urea, Imidazolidinyl Urea, Bronopol, Quaternium-15, Sodium Hydroxymethylglycinate, Methenamine, 2-Bromo-2-nitropropane-1,3-diol, 2,4-Imiazolidinedione, 5-Bromo-5-nitro-1,3-dioxane



SILIKON // SILIKONÖL

Silikon begegnet uns überall - im Bad als Fugenmasse, in der Küche als Backform und auch in der Schönheitschirurgie als Brustimplantat. Aber nicht nur da! Auch in vielen Haarprodukten finden sich Silikonöle, denn das Silikon sorgt dafür, dass Risse in der Haarstruktur geschlossen, sozusagen versiegelt, werden und das Haar glänzend aussieht. Das Silikonöl lässt sich nur schwer wieder von den Haaren entfernen. Mittlerweile enthalten deshalb viele Produkte sogenanntes wasserlösliches Silikonöl, welches einfacher auswaschbar sein soll. Dennoch wird oft kritisiert, dass Silikone das Haar beschweren, platt machen und es in Folge dessen schwer zu stylen ist.

Auch in Cremes kann Silikon oder Silikonöl enthalten sein, es kann Poren und Schweißdrüsen verstopfen. Übrigens ist es auch oft in Gleitmitteln und als dünne Schicht auf Kondomen zu finden. Manchmal ist Silikonöl sogar Bestandteil von Marmelade oder Gelee.

Insgesamt handelt es sich beim Silikon um einen Inhaltsstoff, der mehr Schein als Sein verursacht. Das bessere Aussehen der Haare und der Haut ist rein optisch, Silikon fördert keinesfalls die Regeneration. Vor allem kritisch an Silikon und Silikonölen ist, dass sie nicht biologisch abbaubar sind. Selbst wasserlösliche Silikonöle könne nicht rückstandslos in Kläranlagen aus dem Wasser entfernt werden und verschmutzen so unser Grundwasser.

Silikone und Silikonölne auf der Inhaltstsoffliste:
Endungen auf „-cone“ oder „-xane“, am häufigsten verwendet werden „Dimethicone“, „Methicone“, „Polysiloxane“ oder „Cyclomethicone“



PARABENE
Parabene werden in Kosmetik und auch in Lebensmitteln oder Arzneiprodukten als Konservierungsmittel eingesetzt. Sie schützen also unsere Kosmetika wie z.B. Cremes, Rasierschaum, Lippenstiften, Lotions oder Sonnenschutzmitteln vor Keimbefall. Parabene sind sehr hautverträglich und lösen selten Allergien aus.

Aber Parabene haben eine schwache östrogen-ähnliche Wirkung. Allerdings um ein Vielfaches niedriger als das physiologische Hormon. In Kosmetikprodukten werden nur Methylparaben und Ethylparaben verwendet, weil ihre hormonelle Aktivität so gering ist. Andere Parabene wie Isopropyl-, Isobutyl-, Pentyl-, Benzyl- und Phenylparaben sind seit 2014 in der EU als Konservierungmittel in Kosmetikprodukte verboten, weil sie viel stärker hormonell wirken.

Wie stark die Parabene den menschlichen Hormonhaushalt beeinflussen hängt  von ihrer Menge ab. Nach EU-Kosmetikverordnung ist es als Anwendungsstoff zur Konservierung mit 0,4 Anteil im Produkt zugelassen. Bei dieser Dosierung gilt es als sicher. In der Konzentrationsbegrenzung ist bereits ein großer Sicherheitsabstand eingerechnet, also auch wenn man mehrere Produkte mit Paraben verwendet, sollte dies keinen negativen Effekt auf den menschlichen Organismus haben. Außerdem wird Parabenen eine Krebserregende Wrikung nachgesagt - diese ist wissenschaftliche aber bisher nicht nachgewiesen worden.

Produkte keimfrei zu halten ohne Parabene zu nutzen, ginge zum einen über andere Verpackungen, die eine keimfreie Entnahme oder Dosierung ermöglichen, allerdings würde dies zu sehr viel mehr Verpackungsmüll führen. Zum Anderen könnten andere Stoffe, die ebenfalls eine konservierende Wirkung haben, genutzt werden. Diese sind aber in der Regel sehr viel unverträglicher für den Menschen und lösen häufiger Allergien aus. Wie beispielsweise die Substanz Methylisothiazolinon, die ein fünf Mal höheres Allergiepotential hat als Parabene.



Die EU Kosmetikmittelverordnung zum Nachlesen findet ihr hier.

Auf Seiten wie Codecheck und ToxFox könnt ihr mehr über die Inhaltsstoffe eurer Produkte erfahren.

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