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Von Klangtapeten und Radiopersönlichkeiten

Verfasst von Victoria Przybyl am

Moderations-Seminar mit Christoph Flach beim Bielefelder Campusradio. Ein Haufen Menschen von Hertz 87.5, ein Vertreter der LfM, und drei KC-Nasen. Der Tag verspricht informativ zu werden, aber auch lang und anstrengend, bei 30°C Außentemperatur… ein Glück ist der Konferenzraum klimatisiert.

Victoria Przybyl/ Kölncampus

Wir alle haben Hörproben dabei, die wir in der großen Runde air-checken. Für Christoph Flach ist es wichtig, dass wir alle ohne Angst Radio machen, dass wir gerne vor dem Mikro stehen und Spaß an dem haben, was wir da tun. Aber uns sollte auch klar sein, dass wir in den meisten Fällen erstmal Teil der Klangtapete sind, die Herrn Müller oder Frau Meier das Frühstück versüßt. Wie heben wir uns davon ab? Durch Persönlichkeit, denn so bleiben gute Moderatoren im Gedächtnis.


Welche Möglichkeiten wir haben, um als Persönlichkeiten besser durchzukommen


Alles fängt mit unserer Stimme und Sprechhaltung an. Wie laut oder leise wir ins Mikro sprechen, beeinflusst nämlich unsere Wirkung nach außen. Wenn wir intensiv wirken wollen und unsere Persönlichkeit besser rauskommen soll, sollten wir leiser sprechen. Etwas mehr Lautstärke bietet sich an, wenn wir neutral und informativ wirken wollen. Hin und wieder ein Lächeln und ein wenig Bewegung in der Stimme erzeugen Sympathie und können interessant für die HörerInnen sein. Aber natürlich nur, wenn‘s angemessen ist – wenn wir im KG über Fluchtursachen und das Leid der Menschen in Kriegsgebieten sprechen, wäre ein breites Grinsen wohl eher fehl am Platz.


Es ist natürlich auch wichtig, was wir sagen. Je individueller unsere Moderationen sind, desto eher fallen wir als Typen auf. Mit der Uhrzeit einsteigen kann jeder – wir sollten besser etwas Individuelles finden. Das Gleiche gilt für den Ausstieg: statt den einfachsten Weg zu wählen („Jetzt spiele ich euch ABC von XYZ“) einfach mal mit einer Pointe enden. Mit kantigen Moderationen haben wir viel eher die Chance im Kopf zu bleiben, oder etwas bei den HörerInnen zu erzeugen. Wollen wir gefallen oder wollen wir berühren? Das sollten wir uns immer fragen. Wir können auch mal frech on air werden (ohne zu beleidigen oder einen Schlag unter die Gürtellinie zu setzen) und so die HörerInnen berühren, auch wenn das dem einen oder der anderen vielleicht nicht so gut gefällt. Spannend wird es, wenn wir eine Beziehung zu den HörerInnen aufbauen, sie auch mal selektiv ansprechen ohne die anderen ganz auszuschließen („An alle Hip-Hop-Fans da draußen, das ist jetzt vor allem für euch, aber vielleicht findet ja auch der ein oder andere Klassikliebhaber daran Gefallen“), dabei liebevoll-zugewandt sein und gleichzeitig mit einem frechen Spruch einen inhaltlichen Bruch erzeugen. Wenn man Inhalt & Wirkung so gegeneinander dreht, wird es spannend.


Übrigens muss auch nicht immer ein hoher Erkenntnisgewinn im Vordergrund stehen, wenn wir uns on air melden, solange stattdessen etwas von unserer Persönlichkeit durchkommt. Pride & Passion lautet das Motto. Es sollte spürbar sein, dass wir mit Stolz und Leidenschaft vor dem Mikro stehen, aber gleichzeitig darf es nicht zu ernsthaft werden – gute Moderation funktioniert mit Leichtigkeit, wie uns Christoph Flach mit einem Ärzte-Zitat erklärt:
Du bist immer dann am Besten, wenn‘s dir eigentlich scheiß egal ist
Was nicht heißen soll, dass wir uns völlig unvorbereitet in eine Sendung stürzen sollen. Im Gegenteil: je besser wir vorbereitet sind, desto lockerer kann die Sendung laufen. Dann können wir auch aufs Skript verzichten und ein bisschen die Kontrolle abgeben, um etwas mehr von uns selbst zu zeigen.

Wenn wir aber doch informativ sein wollen, dann sollten wir den besonderen Einstieg suchen, um die HörerInnen zu ködern. Damit wichtige Infos hier nicht verloren gehen, Schlüsselbegriffe mehrfach nennen. Trotzdem sollten wir im Hinterkopf behalten, dass keiner sich gerne von nem Radioheini erklären lassen will, wie es läuft (selbst wenn wir wirklich besser wissen, was genau in Fokushima passiert ist, weil wir zufällig nebenbei Atomphysik studieren). Das kann schnell unauthentisch wirken. Besser: auf das Wesentliche beschränken, es kurz halten, nicht zu sehr in die Tiefe gehen und nicht schlauer daherkommen, als man ist (oder die HörerInnen belehren). Wenn wir nicht skripten, aber das Wichtigste auch nicht vergessen wollen, helfen Stichpunkte. Wenn wir uns nur die Schlüsselbegriffe aufschreiben, sprechen wir freier und erzählen nicht so viel drum herum – besonders, wenn wir uns vorher ein Ziel formulieren, wo wir eigentlich hinwollen mit unserer Moderation. Das kann übrigens auch bei Interviews helfen: gut Vorbereiten, Stichpunkte und vielleicht ein paar Fragen aufschreiben, aber nur die Abmoderation ausformulieren.

Fazit: „Vorbereiten ist Arbeit, Senden ist Freizeit“ – wenn wir mit dieser Haltung an die Sache rangehen sind wir schon auf nem ganz guten Weg zu top ModeratorInnen mit Wiedererkennungswert, denen man gerne zuhört.

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