16.05.2005 22:35 Uhr,
I heart Huckabees ("I heart Huckabees")
Was ist bloß der Sinn des Lebens? Diese Frage wird von uns allen gerne als platt verpönt ? und trotzdem: gestellt wird sie doch immer wieder. Ein gewisses Grundbedürfnis nach Aufklärung in existenziellen und existenzialistischen Dingen, können wir also nur schwer leugnen. Um dieses zu stillen, konnte man sich bisher etwa Selbsthilfegruppen anschließen oder ? schlicht ? Philosophie studieren. Dank der Komödie I HEART HUCKABEES von David O. Russell, in dem sich aber auch wirklich alles um diese und ähnliche Fragen dreht, können wir die Antwort auf die Frage aller Fragen jetzt auch im Kino suchen.
Im Mittelpunkt des Films steht der junge, von einer Lebenskrise gebeutelte Ökoaktivist Albert Markovski. Für Albert, gespielt von Jason Schartzman, gleicht das Leben in letzter Zeit zunehmend einer Sackgasse: seine ehemals großen, idealistischen Pläne versickern im Morast der Realität.
Auf der Suche nach Abhilfe, wendet sich Albert an das Ehepaar Vivian und Bernard Jaffé (Dustin Hoffman und Lily Tomlin), die eine ganz besondere Dienstleistung anbieten ? die beiden betreiben nämlich eine existenzialistische Detektei. Statt wie gewöhnliche Detektive in Unterlagen zu wühlen, durchforsten sie bloße Gedanken und Emotionen ihrer Kunden. Sehr bald schon steht Alberts Leben kopf ? und auch sein Umfeld kommt nicht ungeschoren davon.

Russells Film ist ungemein prominent besetzt: Neben Jason Schartzman geben sich auch Dustin Hoffman, Lily Tomlin, Mark ?Marky Mark? Wahlberg, Jude Law, Naomi Watts und Isabelle Huppert, allesamt in mehr oder weniger tragenden Rollen, ein Stelldichein.
Trotzdem muss man warnen, denn I HEART HUCKABEES ist vor allen Dingen eines: ein philosophischer Film ? und damit nicht jedermanns Sache. Die Gestalten, die diese Geschichte bevölkern, werden nämlich von Problemen geplagt, die abseits des Alltäglichen stehen. Hier verzweifelt man nicht an etwas so simplem wie Liebeskummer, nein, hier muss es schon etwas so großes, wie die eingangs erwähnte Frage nach dem Sinn des Lebens sein. Das kann man mögen, muss es aber nicht.
Anstatt, wie es sich bei einem so schwergewichtigen Thema ja anbieten würde, den Film als Drama zu inszenieren, beschert Filmemacher David O. Russell dem interessierten Publikum eine beschwingte und bisweilen surreale Komödie. So etwas zu wagen, kann durchaus schief gehen, doch, wie bereits bei seinem letzten Film THREE KINGS aus dem Jahr 1999 meistert Russell auch in I HEART HUCKABEES jede Schwierigkeit mit Bravour.
Das Drehbuch ist auch hier clever und verspielt, verlangt dem Zuschauer durch Dialoglastigkeit allerdings ein klein wenig Konzentration ab ? zumal die Inszenierung sehr straff und von großem Tempo ist. In Anbetracht der hochkarätigen Schauspieler die Russell vor seiner Linse versammeln konnte, schenkt man dem Film diese benötigte Aufmerksamkeit aber gerne. Ob Hofmann, Law, Schwartzman oder Watts, allen ist deutlich anzumerken, wie viel Spaß es ihnen gemacht haben muss, ihren skurrilen Charakteren Leben einzuhauchen.
Vielleicht braucht es eine bestimmte Geisteshaltung um an I HEART HUCKABEES gefallen zu finden ? vielleicht auch nur eine besondere Stimmung. Sind diese eigenen Voraussetzungen aber vorhanden, dann kann man sich der Story um Albert Markovski und dessen Freunde, angesiedelt irgendwo zwischen den alternativen Universen von Wes Anderson und Charlie Kaufmann, nur schwer entziehen.
Und in einer Sache werden ganz sicher auch die Kritiker dieses Filmes zustimmen: Mit der Idee des philosophischen Detektivbüros liefert er zumindest seinen ganz eigenen Beitrag zu der im studentischen Dunstkreis gerne geführten Debatte: ?Was tun mit geisteswissenschaftlichem Abschluss??

Komödie
USA 2004
Regie: David O. Russell
Darsteller: Jason Schwartzman, Mark Wahlberg, Dustin Hoffmann, Jude Law, Naomi Watts, Isabelle Huppert, Lily Tomlin
Länge: 106 Min


von Philip Gritzka