Filmtipp filmspur@koelncampus.com
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15.01.2004 08:50 Uhr, Montags in der Sonne ("Los Lunes Al Sol") Wer einfach so in der Sonne sitzen und in den Tag hineinleben kann, der ist entweder stinkreich, hat Urlaub ? oder er ist arbeitslos. So wie Santa und seine ehemalige Kollegen einer Werft im Norden Spaniens. Da ist zum Beispiel Lino, der die meiste Zeit zwischen deutlich jüngeren Mitbewerbern in den Vorzimmern von Personalbüros verbringt und nichts unversucht läßt ? vom Computerunterricht beim Sohn bis zum Haarefärben auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch. Mit knapp vierzig ist José der Jüngste der Freunde, der sich nur schwer damit abfinden kann, daß jetzt seine Frau Ana die Ernährerin ist. "Natürlich, ich bin ja nicht die erwerbstätige Person. Wer bin ich denn schon? Ein Arschloch, das zu nichts nütze ist. Über das man sich bloß lustig macht." (José) Das vitale Zentrum der Gruppe ? und des Films ? ist jedoch der Lebenskünstler Santa, bravourös dargestellt von Javier Bardem, der mit Filmen von Pedro Almodóvar bekannt wurde und demnächst in Julian Schnabels BEFORE NIGHT FALLS zu sehen ist. Mit Phantasie und Humor schafft es Santa immer wieder, sich und die anderen mit aberwitzigen Geschichten aus dem frustrierenden Alltag herauszufabulieren. Daß Santa jedoch kein weltfremder Phantast ist, zeigt sich bei Diskussionen über Arbeit als Basis der eigenen Identität in der Bar Naval, in der sich die Freunde täglich treffen und austauschen. In der Tradition des sozial engagierten Kinos, das man gemeinhin eher mit britischen Filmemachern wie Ken Loach oder Mike Leigh assoziiert, begleitet der hierzulande noch unbekannte Regisseur Fernando León de Aranoa seine Protagonisten durch einen teils absurden Alltag, der um das ?Nichts? kreist. Was passiert eigentlich, wenn nichts passiert, wenn man nichts zu tun hat? Und wie gehen spanische Männer, die ja für ihr Macho-Image berüchtigt sind, damit um? Trotz des realistischen Hintergrundes ist MONTAGS IN DER SONNE nicht schwer verdaulich geworden ? im Gegenteil. Der Film oszilliert gekonnt zwischen Komödie und Drama und schafft immer wieder Situationen von umwerfender Komik. "Die Ameise ist ne fiese Sau und ne ganz miese Spekulantin. Warum wird die eine als Grille und die andere als Ameise geboren?" (Santa) Ob es für Santa und die anderen noch mal eine gute Arbeit geben wird? Am Ende kommt man aus dem Kino und weiß, daß es diese Verlierer der Gesellschaft weiter schwer haben werden. Und die Sehnsucht nach Zuversicht ist schließlich schon im Titel MONTAGS IN DER SONNE angelegt... "Wir haben den Titel immer als eine hofnungsvollere Möglichkeit gesehen, um ?Arbeitslosigkeit? zu sagen." (Fernando León de Aranoa) In einer kürzlich veröffentlichten Statistik über Arbeitslosigkeit in Europa rangierte Spanien ganz weit oben in den traurigen Top Ten. Kein Wunder also, daß der Film MONTAGS IN DER SONNE in Spanien ein sensationeller Publikumserfolg wurde. Der Film löste eine öffentliche Debatte aus, die sich nicht aufs Feuilleton beschränkte, sondern in der politischen Berichterstattung und in Talkshows fortgesetzt wurde. MONTAGS IN DER SONNE wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt; darunter fünf ?Goyas? (der spanische ?Oscar?), Premios CEC 2003 ? Preise der spanischen Filmkritik und ?Bester Film? auf dem Filmfestival San Sebastian. Außerdem ist der Film die Oscar-Einreichung 2003 der spanischen Filmakademie. Drama Spanien 2002 Regie: Fernando Leon de Aranoa Darsteller: Javier Bardem, Luis Tosar Länge: 113 min. von Jessica Duester |
Montags in der Sonne...
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