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08.02.2004 08:50 Uhr, Kitchen Stories ("Salmer fra kjokkenet"") Schweden in den 50er Jahren: Um das Verhalten von männlichen Junggesellen in ihren Küchen genauer zu untersuchen, fällt eine Armada von Forschern des schwedischen ?Instituts für Heim und Haushalt? in ein kleines norwegisches Dorf ein. Jeweils ein Wissenschaftler soll die Küchen-Laufwege seines ihm zugeteilten Probanden akribisch auf Papier festhalten. Der Clou: Der Bobachter sitzt auf einem Hochsitz direkt in der Küche seines Gastgebers, schläft nachts in einem Wohnwagen auf dessen Grundstück und hat jederzeit Zutritt zu seinem Arbeitsbereich, der Küche. Da sein Beobachter Folke keine anderen Räume betreten darf, lässt der kauzige Junggeselle Isaak die Küche weitgehend ungenutzt und kocht stattdessen lieber in seinem Schlafzimmer. Folke kommt daher zu keinen echten Ergebnissen und will schon eine Versetzung beantragen, als eines Tages Isaak seinen Beobachter zu einer Tasse Kaffee bittet. Folke steigt von seinem Hochsitz - und hat damit schon eine Grundregel der Studie gebrochen: Persönlicher Kontakt zu den Probanden ist nämlich strengstens verboten! Als das auffliegt, ist Folke seinen Job los und wird wieder zurück in seine schwedische Heimat beordert. Doch eigentlich fühlt er sich nach den nächtlichen Schnapsgelagen und Gesprächen über Schweden, Norwegen, Kochen oder Atomenergie mit seinem Gastgeber in der Einsamkeit des norwegischen Landlebens schon fast wie zu Hause.... ?Kitchen Stories? von Regisseur Bent Hamer passt zum wortkargen Image der Skandinavier. So erschwert Isaak seinem Beobachter wortlos dessen Arbeit, indem er ihm seine Wäsche zum Trocknen direkt vor die Nase hängt oder ihn demonstrativ im Dunkeln sitzen lässt. Das alles ist von sehr intensiv gespielter Komik und gipfelt in der Szene, in der Folke in einem unbemerkten Moment von seinem Hochsitz herabsteigt und danach den geliehenen Salzstreuer nicht mehr rechtzeitig auf seinen angestammten Platz stellen kann. Das anschließend wortlos dargestellte Gefühl des Ertappens und Ertappt-Seins hätte wohl kein Drehbuchschreiber mit entsprechenden Dialogen noch intensivieren können. Joachim Calmeyer (?Isaak?) und Tomas Norström (?Folke?) sind in ihrer Heimat profilierte Schauspieler. Calmeyer spielt seinen kauzigen Junggesellen wunderbar knorrig und Norströms Wandlung vom typischen Bürohengst hin zu einem weniger regelkonformen Beamten ist äußerst charmant anzusehen. Abgesehen vom Thema der ungewöhnlichen Männerfreundschaft setzt sich Regisseur Hamer zudem noch angenehm beiläufig mit dem inner-skandinavischen Konflikt und dem Zweiten Weltkrieg auseinander. Das nur passive Beobachten von Abläufen, so merkt der Norweger Isaak in einer Szene an, habe die Schweden schließlich auch im Dritten Reich ausgezeichnet ? worauf der Schwede Folke nur betreten zustimmen kann. Entsprechend wirkungsvoll ist dabei, dass der Junggeselle anfangs die Vorzeichen umkehrt: Durch ein Loch im Fußboden observiert er selbst seinen Beobachter. So wird das besonders momentan aktuelle Thema der staatlichen Überwachung und Klassifizierung ironisch überzeichnet. In diesem Fall allerdings wacht ?Big Brother? nicht über Kontroll- oder Fernsehkameras und somit über potenzielle Straftäter oder untätige Dschungel-C-Promis, sondern sitzt einfach direkt in deren Küchen. ?Kitchen Stories? spielt zwar in den 50er Jahren, ist aber zum Glück nicht ganz so angestrengt um Authentizität in der Darstellung des damaligen Zeitgeistes bemüht wie vergleichbare deutsche Produktionen der letzten Zeit. Angenehm ist zudem der nur spärlich eingesetzte jazzige Soundtrack, der zur lakonischen und warmherzigen Atmosphäre des Films beiträgt. Die Norweger haben ihn ins Rennen um den Auslands-Oscar 2004 geschickt. Auch wenn es nicht zu einer Nominierung gereicht hat, lohnt sich der Kinobesuch auf jeden Fall. Komödie, Norwegen 2003 Regie: Bent Hamer Darsteller: Joachim Calmeyer, Tomas Norström, Björn Floberg Länge: 95 Min. von Jörn Behr |
Beobachter Folke bei der Arbeit
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