05.09.2004 08:50 Uhr,
Oldboy ("Oldeuboi")
Oh Dae-Su wird inmitten seines jungen Glücks, er hat eine bezaubernde Frau und eine kleine Tochter, von der Straße weg entführt und für eine Ewigkeit, 15 ganze Jahre, in einen kleinen, dunkeln Raum eingesperrt.
15 Jahre abgeschlossen von der Außenwelt, ohne im Geringsten zu wissen, warum er entführt wurde.
Durch die vom Entführer gewährten medialen Nachrichten erhält
Oh noch gelenkten Anteil an der Außenwelt. So erfährt er während seiner Gefangenschaft vom Tod seiner Frau und dass er als mutmaßlicher Täter gesucht wird.
Nach 15 Jahren Pein wird der geschundene Dae-Su genauso unvermittelt wieder auf freien Fuß gesetzt, wir er einst entführt wurde.
Der Racheschwur ist selbstverständlich groß und kaum in der Freiheit macht sich ?Oldboy? auf die Suche nach seinem Entführer, läuft aber erst einmal Mido, einer Kellnerin, über den Weg, die zwar etwas mysteriös und undurchschaubar wirkt, aber schließlich zu seiner Mitstreiterin und Geliebten wird.
Seltsamer Weise vergeht kaum Zeit, bis sich ihm sein Peiniger, geschützt durch einen Leibwächter, zu erkennen gibt und ihm auch noch einen Handel offeriert. Oh Dae-Su hat fünf Tage Zeit herauszufinden, was die Motivation zu dieser grauenvollen Tat war, schafft er es das Rätsel zu lösen, ist ihm der Tod seines Peinigers sicher, schafft er es nicht, müssen all die Frauen sterben, mit denen Oh jemals etwas hatte, also auch seine aktuelle Geliebte Mido.
Getrieben durch Neugier an den Motiven seines Entführers lässt sich Oh Dae-Su auf den Handel ein und stößt bei seinen Nachforschungen schnell auf die Ursachen seiner Tortour, welche ihn in einen Strudel
der Erinnerungen an seine Jugend ziehen.
Wird Oldboy sein Ziel der gnadenlosen Rache erreichen?

Regisseur Chan-Wook Park bewies bereits mit seinem kleinen Meisterwerk ?Joint Security Area?, dass er nicht nur das Handwerk des Filmemachens perfekt besitzt, sondern auch in der Lage ist, tragische und spannende Geschichten fesselnd zu erzählen.
Mit kalten aber exzellenten Bildern reißt er uns hinein in eine
tiefsinnige Abhandlung über Rache, Erlösung und Schicksal, die dem in Philosophie geschulten Südkoreaner scheinbar nur so von der Hand gegangen ist.
Schon die kafkaeske Einstiegsidee beweist ein Übermaß an kreativem Potential, kluge Handlungsabläufe neuartig zu erzählen.
Zwar gehen einem mitunter die stellenweise zu drastisch geratenen Gewaltdarstellungen sehr an die Nieren, jedoch sind sie meist derart kunstvoll umgesetzt, dass sie der visuelle Genuss schon wieder legitimiert. Allem voran die sensationelle, ungeschnittene Sequenz, in der Oldboy mit einem Vorschlaghammer ca. 20 Angreifern den Garaus macht, das ganze mit der Handkamera auf engstem Raum gefilmt, vermittelt eine atemberaubende Präsenz.
Rache als Grundmotiv kann fast selbstverständlich nicht auf gewaltvolle Inhalte verzichten und trotzdem steht hier nicht die Gewalt im Vordergrund, sondern wird vielmehr die Verzweiflung und Ausweglosigkeit des Protagonisten zum Ausdruck gebracht.
Dem schauspielernden Dreiergespann gelingt die Darstellung dieser gequälten Existenzen mit einer aufsaugenden Intensität und auch Tage nach dem Besuch des Films bleiben uns ihre Gesichter in Erinnerung, wohlwissend, dass alle Idealbesetzungen sind.
Oldboy, ist der diesjährige Gewinner des Grand Prix von Cannes
und hievt Regisseur Chan-Wook Park mit seinem fünften Langfilm in die von Hollywood bestaunte Oberliga.
Meldungen zufolge ist bereits ein amerikanisches Remake geplant,
weshalb man dringendst das mit Sicherheit kunstvollere Original sehen sollte.


Drama/Thriller - Südkorea 2003
Regie: Park Chan-wook
Darsteller: Choe Min-shik, Gang Hye-jeong
Länge: 120min.

von Pascal Blondiau