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20.04.2005 08:50 Uhr, Der Kaufmann von Venedig ("The Merchant of Venice") Venedig im 16. Jahrhundert: Um standesgemäß um die Hand der bezaubernden Portia anzuhalten, muss sich der leidenschaftliche, aber bereits hoch verschuldete Aristokrat Bessanio (Joseph Fienes), von seinem engen Freund Antonio (Jeremy Irons) weiteres Geld leihen. Dieser, ein reicher Kaufmann, hat aber sein gesamtes Vermögen in diverse Handelsunternehmungen investiert. Da er aber seinem geliebten Freund den Wunsch auch nicht verwehren kann, nimmt er bei dem jüdischen Geldleiher Shylock (Al Pacino) einen Kredit für ihn auf. Gebeutelt von der schlechten Behandlung die den Juden, auch durch Kaufleute wie Antonio, widerfährt, knüpft Shylock den Kredit jedoch an eine ungewöhnliche Bedingung: Sollte das Geld nicht rechzeitig zurückgezahlt werden, so wolle er das Recht ein Pfund Fleisch einer beliebigen Stelle von Antonios Körper schneiden zu dürfen. Fest davon überzeugt, rechzeitig die Schuld begleichen zu können, willigt Antonio in den Vertrag ein. Während Bessanio sich nun auf den Weg zu seiner zukünftigen Braut macht, überstürzen sich in Venedig die Ereignisse: Zum einen flüchtet Shylocks heißgeliebte Tochter Jessica aus ihrem strengen Elternhaus in die Arme ihres christlichen Geliebten und stürzt ihren Vater damit in nur noch tieferen Gram. Zum anderen muss Antonio erfahren, dass sämtliche seiner Schiffe gesunken sind, er also sein gesamtes Vermögen verloren hat ? und somit seine Schulden nicht zurückzahlen kann. Vor Gericht kommt es schließlich zur finalen Auseinandersetzung. In Anbetracht der unzähligen Shakespeare-Adaptionen, die es Jahr für Jahr vor die Linse einer Kamera schaffen, überrascht es doch sehr, dass der Kaufmann von Venedig, immerhin eines der meistgespielten Theaterstücke, bisher erst ein einziges Mal verfilmt wurde ? und das nur zu Stummfilmzeiten. Sieht man sich aber Michael Radfords wohlgelungene Neuinterpretation des Stückes an, dann bekommt man eine Idee davon, wovor andere Filmemacher kapituliert haben müssen: Es ist, als erzählte das Stück nicht eine, sondern gleich zwei nur lose verbundene Geschichten, beide gefußt in unterschiedlichen Genres. Da ist zum einen die beschwingte, jugendliche Liebe von Bessanio und Portia, die sich ganz den für Shakespeare üblichen Motiven seiner Liebeskomödien hingibt: den Irrungen und Liebesschwüren, den Verwechslungen und Verkleidungen. Dem gegenüber aber stehen die düsteren Schicksale der beiden gebrochenen alten Männer Shylock und Antonio. Deren tragische Geschichte bildet das eigentliche Herz dieses Films, hätte aber in den Händen eines weniger fähigen Filmemachers leicht als antisemitisch missverstanden werden können: Zu oft wird geschimpft über die jüdische Natur. Es ist vor allem aber dem großartigen Al Pacino zu verdanken, dass dessen Shylock nicht zum Stereotyp des geldgierigen Juden verkommt, sondern ? im Gegenteil ? zum vielschichtigsten und fesselndsten Charakter dieser Geschichte wird. So bewegend aber ist jede Sekunde, die er dem Publikum schenkt, so erschütternd jede seiner Gesten, aufwühlend jedes seiner Worte, dass man bisweilen am Rest des Films das Interesse verliert und sich nichts sehnlicher wünscht, als dass die Kamera nicht einen Augenblick von ihm weichen würde. Trotzdem, der auch sonst prominent besetzte Kaufmann von Venedig schenkt dem interessierten Publikum 130 Minuten kurzweilige Unterhaltung. Drama/Literaturverfilmung Großbritannien/Italien 2004 Regie: Michael Radford Darsteller: Al Pacino, Jeremy Irons, Joseph Fiennes Länge: 131 Min von Philip Gritzka |
Shylock und Antonio beim gemeinsamen Abendessen
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