Filmtipp filmspur@koelncampus.com
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31.05.2006 20:00 Uhr, Flug 93 (United 93) Die Ereignisse des 11. September 2001 markieren eine schmerzhafte Zäsur im Bewusstsein unserer westlichen Welt. Auf einen Schlag war uns die bequeme Unbekümmertheit des Alltags genommen, ist uns wieder ins Gedächtnis gerufen worden, wie allzeit verwundbar wir doch sind. Die Narben dieses Tages sind auch heute noch lange nicht verheilt. Trotzdem ? oder gerade deswegen ? kommt jetzt mit FLUG 93 von Regisseur Paul Greengrass ein erster Spielfilm ins Kino, der sich diesen Ereignissen annimmt; und das mit einer Pietät, auf die man kaum zu hoffen gewagt hatte. Die Geschehnisse des Tages dürften uns allen wohl noch deutlich in Erinnerung sein. Vier Passagierflugzeuge wurden am 11. September 2001 entführt. Zwei davon wurden in die Türme des World Trade Centers gelenkt, eines traf in das Pentagon. Paul Greengrass? Film FLUG 93 erzählt die Geschichte des vierten Flugzeugs, jener United Airlines Maschine, die als einzige ihr Ziel verfehlte. Weil eine kleine Zahl Passagiere den Mut fand sich wider aller Umstände gegen ihre Entführer aufzulehnen, stürzte das Flugzeug statt in das Washingtoner Capitol in ein leeres Feld in Pennsylvania. Eigentlich sollte der United Airlines Flug mit der Nummer 93 an jenem Morgen pünktlich um 8:00h morgens starten, aber ein starker Flugverkehr führte zu einer Verzögerung von beinahe einer dreiviertel Stunde. Als die vier Terroristen die Maschine schließlich gegen halb zehn in ihre Gewalt brachten, waren bereits beide Türme des World Trade Centers getroffen. Über Bordtelefone erfuhren einige Passagiere von den Anschlägen und begriffen, dass auch ihre Entführung in einem Absturz enden würde. Beinahe in Echtzeit zeigt uns Greengrass die Ereignisse um Flug 93, folgt der sich verengenden Spirale vom Boarding von Besatzung und Passagieren, bis zu deren fatalen Ende. Das Augenmerk beschränkt er dabei ausschließlich auf das was an Bord passiert und auf die fassungslose Ohnmacht in den Flugkontrollzentralen, wo man nur langsam begreift, was tatsächlich gerade geschieht. Es gibt so vieles, was bei einem Film mit diesem Thema hätte schief gehen können, so vieles, was man befürchten musste. Als umso bewundernswerter erweist sich aber Paul Greengrass, der mit FLUG 93 einen Film liefert, der statt durch Stereotypen, glühende Heldenverehrung und Anklage, durch Intelligenz und Menschlichkeit überzeugt. Beinahe dokumentarisch folgt die Kamera dem weitestgehend improvisierten Spiel seiner Schauspieler, lässt uns hautnah teilhaben an dem Chaos und der Verzweiflung dieses Tages. Dabei entfaltet der Film eine schon körperlich spürbare Intensität, die ihren Zenit in der letzten knapp halben Stunde findet, in der die Erzählung das Flugzeug nicht mehr verlässt. Das alles wäre aber bedeutungslos, wenn nicht über allem der Drang des Filmemachers zur Wahrheitsfindung stünde. Greengrass Film ist gründlich recherchiert und fühlt sich in den Momenten am wohlsten, in denen er auf Fakten zurückgreifen kann. Darüber hinaus vermeidet er jegliche Wertung der Ereignisse. FLUG 93 von Paul Greengrass ist ein beeindruckender Film, ein erster Exorzismusversuch des kollektiven Traumas vom 11. September 2001. Tatsachenthriller USA 2006 Regie: Paul Greengrass Darsteller: Christian Clemenson, Trish Gates, Polly Adams, Cheyenne Jackson, Opal Alladin, u.v.m. Länge: 91 Min. von Philip Gritzka |
Die Passagiere planen den Aufstand
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